Der Bauer Manfred Vallazza aus dem Gadertal hat in den vergangenen Monaten einiges getan, um von sich reden zu machen. Der SVP-Landtagsabgeordnete, der 2018 bei den Wahlen 8.021 Vorzugsstimmen bekam, gehörte zur überparteilichen Bauernfraktion, die die Bettenobergrenze zu blockieren versuchte: keine Beschränkungen für Urlaub auf dem Bauernhof.
Er handelt also gemäß dem Motto des mächtigen Verbandes –
mächtiger, als es dem Anteil der Bauern an der Bevölkerung entspricht: für die gut 20.000 Bauern im Land, und für sich selber, herausholen, was geht.
Vallazza, neben Daniel Alfreider der zweite Ladiner im Landtag, hat es weit gebracht: zum Vizepräsident des Landtages und zum Assessor im Regionalrat. Dennoch war er lange ein eher unauffälliger Parteisoldat.
Jetzt hat Vallazza, 42, Schlagzeilen der anderen Art gemacht. Auf seinem Grund im Weiler Cian, einem malerischen Ort in der Gemeinde Wengen im Gadertal, haben seine Schwester und sein Cousin ein Haus gebaut (siehe Artikel auf Seite 14).
Wie das ging, darüber hat als Erstes das Online-Portal
salto.bzberichtet. Vallazza verkaufte ein Stückchen Land an die Gemeinde für eine Kleinst-Wohnbauzone. Ihr Sinn ist es zu verhindern, dass die Leute abwandern. Die Gemeinde erwarb den ganzen Grund zum Marktpreis, und nicht wie normal einen Teil. Die Verwandten von Vallazza bekamen ihn zum geförderten Preis, zum halben Preis etwa. Die andere Hälfte holte sich die Gemeinde vom Land. Vallazzas Verwandte durften bauen. Er selber profitierte also von der Operation, seine Verwandten auch. Doch das Land weigerte sich zu zahlen, die Gemeinde Wengen klagte und verlor den Prozess vor dem Verwaltungsgericht: kein öffentliches Interesse. Der Anwalt der Gemeinde: Meinhard Durnwalder.
Der Abgeordnete, mit dem ffselbstverständlich auch geredet hat, wehrt sich. Er sagt, er werde für seine Verwandten in Sippenhaftung genommen, sie hätten ein Anrecht auf die Förderung gehabt, er habe nichts Unrechtes getan, er sei ein Opfer der internen Konflikte in der Südtiroler Volkspartei.
Strafrechtlich hat sich Manfred Vallazza vielleicht nichts zuschulden kommen lassen. Aber was ist mit der politischen Moral? Die Operation hat jedenfalls ein Geschmäckle. Bei den Leuten, die der Politik ohnehin schon misstrauen, muss der Eindruck entstehen: Da hat es sich wieder einer von denen da oben gerichtet. Das ist ein Schaden für die Politik insgesamt. Ein Politiker muss peinlich genau darauf achten, dass private Interessen nicht mit dem Gemeinwohl kollidieren.
Was wird die SVP tun? Obmann -Philipp Achammer hat angekündigt, die Angelegenheit „zeitnah“ zu klären – das kennen wir schon. Bei Jasmin Ladurner ging es schnell – sie hatte zu Unrecht ein paar Hundert Euro Fahrtspesen einkassiert. Die SVP hat mit Vallazza ein neues Glaubwürdigkeitsproblem. Wie will sie es lösen? Will sie es lösen? Tritt Vallazza zurück, würde Oswald Schiefer, Bürgermeister von Kurtatsch, nachrücken – er wird seine Gemeinde nicht im Stich lassen. Auf ihn folgt Andreas Colli, der ehemalige No-Vax-Bürgermeister von Kastelruth, von seinen eigenen Leuten aus dem Rathaus vertrieben.
Worauf wird es also hinauslaufen? Rücktritt von Vallazza als Assessor im Regionalrat? Als Landtagsvizepräsident? Die beste Lösung wäre, würde Vallazza jetzt schon auf eine Kandidatur bei den nächsten Landtagswahlen im Herbst 2023 verzichten.