Seit 1985 hat Carla Scheidle, 67, als Richterin am Landesgericht in Bozen gearbeitet. Sie ist jetzt Pensionistin, gerade hat sie ihr letztes Urteil fertig geschrieben. In der Pandemie war sie häufig mit Fällen von Gewalt in der Familie beschäftigt. „Allgemein“, sagt sie, „stelle ich eine Verrohung in der Gesellschaft fest“. Apfelkuchen und Holundersaft, selber gemacht, stehen auf dem Tisch, die Wohnung ist in Weiß getaucht, ein kunstvoll komponiertes Ensemble.
Sie hat sich vorbereitet, etwa mit einem Zitat des Theologen Hans Küng, einem Gebet, das sie im Verlauf des...
