Der Schlanderser Bürgermeister Dieter Pinggera hat in der Basis in Schlanders ein paar Bäume umsägen lassen. Uralte Bäume. Einfach so. Jetzt könnte man sagen: Es sind nur ein paar Bäume; aber es braucht schon viele junge Bäume, um die alten zu ersetzen, die viel Kohlendioxid gespeichert haben. Pinggera, der eigentlich ein gescheiter Mensch ist, hat schon vor ein paar Monaten probiert, einen Teil der alten Kaserne einreißen zu lassen.
Es ist die nächste selbstherrliche Aktion des Bürgermeisters, der sich offensichtlich frei fühlt zu tun, was er will. Schließlich kann er 2025 nicht mehr als Bürgermeister kandidieren und im Landtag will ihn auch niemand.
Das brutale Umsägen der Bäume hat in Südtirol Tradition. Ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern, wie vor vielen Jahren in aller Früh zu Allerseelen die Bäume vor dem alten Museion umgelegt wurden, damit ja niemand sich dagegen wehren konnte. Heute steht dort der Betonkubus der Universität.
Es geht um Bäume, aber es geht auch, und noch mehr, um die Missachtung der Haltung von vielen Bürgerinnen und Bürgern. Mit den Bäumen werden auch Widerstand und Opposition umgesägt. Statt zu reden, zu verhandeln, schafft man Fakten.
Motorsäge und Bagger statt Bürgerbeteiligung, statt Diskussion über einen sinnvollen Umgang mit alter Bausubstanz?
Ähnlich ist es in Brixen, wo Bürgermeister Peter Brunner unbedingt am Heller-Projekt für den Hofburggarten festhält. Kosten: 10 Millionen Euro. Der Stadtrat, in dem die Südtiroler Volkspartei die Mehrheit hat, hat sich in Heller verliebt. Von Andrè Heller, dem Großkünstler und Großsprecher aus Wien, bekommt man immer das Gleiche; ein Spektakel – es kann nie groß und prächtig genug sein. Aber ist das noch zeitgemäß?
Gegen das Heller-Projekt regt sich starker Widerstand in der Stadt: Viele Menschen wollen einen Bürgergarten statt einen Hellergarten für Touristen. Der Hofburggarten in einer menschlichen Dimension wäre ein Lustgarten für Brixen, so wird er ein Lastgarten, ein Garten, der die Stadt spaltet.
Warum nicht abstimmen über die Nutzung des Hofburggartens? Stattdessen: regieren wie früher oder immer von oben statt Bürgerbeteiligung.
In Bozen wird geradewieder darüber geredet, wie man das Bahnhofareal nutzen soll. Darüber wird schon seit zwanzig Jahren debattiert. Die Stadtregierungen kamen und gingen. Und nichts ist passiert.
Nun will Bürgermeister Renzo Caramaschi etwas ganz anderes als das, was seit zehn Jahren der Plan ist. Die öffentliche Hand soll es richten und nicht ein Investor. Auf dem Spiel steht eine Investition von einer Milliarde Euro.
Die Kehrtwende hat Caramaschi am Sonntag dem Alto Adige mitgeteilt. Am Montag sprach ihm Luis Walcher, Stadtrat für Urbanistik, in den Dolomiten hinterher. Und der Gemeinderat? Hat der schon darüber geredet?
Das größte Erschließungsprojekt, das es in Südtirol gibt, wird so nebenbei von den Verantwortlichen in den Medien besprochen. Leute, es geht um 48 Hektar für Bahnhof, Wohnungen und öffentliche Einrichtungen – das möchte man dann doch gründlicher diskutiert sehen. Bürgerbeteiligung? Lieber nicht, da könnten die Leute doch glatt auf Ideen kommen.
