Das Recht der Kinder auf Impfschutz scheint mir bei der Impfdiskussion stets zu kurz zu kommen.
Schon vor 30 Jahren habe ich mich über den Impfgegner Reinhard Holzer und seine öffentlichen Kampagnen gegen Impfungen geärgert. Mit falschen Behauptungen hat er nicht nur Eltern mit kleinen Kindern verunsichert, sondern auch jene gekränkt, die an den Folgen von Infektionskrankheiten zu leiden haben.
Im Jahr 1958 erkrankte ich selbst an Kinderlähmung, wäre fast daran gestorben wegen Lähmung der Atemmuskulatur, musste als achtjähriges Kind über Monate in verschiedenen Kliniken verbringen, wobei mich meine Eltern nur alle zwei Monate besuchen konnten. Die bleibenden Behinderungen haben sich in vielfältiger Weise (zum Beispiel Berufswahl) auf mein Leben ausgewirkt.
Ich kenne viele Personen mit ähnlichem Schicksal, die erkrankten, weil sie keinen Impfschutz hatten: gelähmte Menschen, schwerhörige Kinder nach Maserninfektion, unfruchtbare Männer nach Mumpsinfektion, Personen mit chronischer Hepatitis und so weiter. Als Mutter kann ich auch das Leid und die Sorgen meiner verstorbenen Eltern nachempfinden, die damals unfreiwillig auf den Impfschutz ihres Kindes verzichten mussten.
Dr. med. Helga Schmid Vieider, Meran
