Weiß schon, dass Hausverstand keine Chance hat gegen Ordnung und dass amtliche Information nicht zum Verstehen da ist. Sie muss nur richtig sein. Beispiel gefällig? Allerheiligen letzte Woche: Ich komme mit dem Zug im fernen Bruneck an und will den Citybus ins heimatliche Reischach nehmen. Es ist eine Freude mit unseren Öffis, funktioniert ja alles wie am Schnürl. Nur zur Lust schau ich auf die elektronische Anschlagtafel – und find mein Dorf nicht. Weder auf Deutsch noch auf Italienisch. Aber ich bin kein Anfänger. Irgendwo in der Reihe von St. Georgen, Dietenheim und Stefansdorf leuchtet „Cabinovia Plan de“ auf. Mehr nicht. Für einen deutschen Touristen muss jedes Wort Chinesisch sein. Der Italiener wird „Cabinovia“ verstehen. Aber schon bei „Plan de“ wird er fragen „de che?“. Der Kronplatz ist gemeint. Wer nur nach Reischach will, muss lernen, dass das auf dem Weg dorthin ist.
Ich erzähl nur Beispiele, denen ich persönlich zum Opfer fiel. Da stand ich unlängst an der Bushaltestelle nahe dem Bozner Bahnhof und studierte die Anzeigetafel. Ich bilde mir ein, mich ein bissl auszukennen in der Stadt und im Land und finde eine „Piazza S. Antonio“ angeschlagen, sonst nichts. Wo in Bozen gibt’s eine Piazza S. Antonio? Keine Ahnung. Busse fahren vorbei. Mein Bus nach Gröden kommt nicht. Ich erkundige mich. Der Sant-Antonier wär’s gewesen. Wer um Himmels willen soll in Bozen wissen, dass St. Ulrich in Gröden für Busfahrer der dortige Antoniusplatz ist?
In Meran hätte ich auch schon einmal den Zug nach Bozen ums Arschlecken versäumt. Eine deutsche Reisegruppe hat mich davor bewahrt. Dieser wurde von einem Ortskundigen laut hörbar eingeschärft: „Sie müssen den Brennerzug nehmen, wenn Sie nach Bozen wollen.“ Muss sich ein Meraner Kurgast dumm vorkommen, wenn er am Bahnsteig „Brennero-Brenner“ liest und nicht weiß, dass das in Richtung Bozen geht?
Ich weiß, wenn ich mich beschwere, erklärt man mir, dass schon alles seine Richtigkeit hat so.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff