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Die Fassade bröckelt
Bei Nacht und Nebel lässt der Schlanderser Bürgermeister die Bagger in der Kaserne auffahren. ff 41/22 über eine sehr dubiose Aktion
ff media | 19. Okt 2022 | ff 42/2022

Ich maße mir nicht an, beurteilen zu können, ob die Gebäude auf dem Kasernenareal in Schlanders abgerissen werden sollen oder nicht. Was den Denkmalschutz anbelangt, vertraue ich auf das Urteil des Amtes für Denkmalpflege. Hinsichtlich der bautechnischen Qualität wäre trotz eines vorliegenden Projekts, das den Abriss vorsieht, ein Moment des Nachdenkens angebracht, um zu prüfen, ob ein Umbau verbunden mit einer neuen Zweckbestimmung nicht doch möglich ist.

Ich maße mir allerdings schon an zu beurteilen, dass das, was in Schlanders am 5. Oktober um halb fünf Uhr in der Früh passiert ist, in höchstem Maße verabscheuenswert ist. In einer Nacht- und Nebelaktion mit Baggern aufzufahren, um nackte Tatsachen zu schaffen und einer eventuellen Unterschutzstellung zuvorzukommen, ist ein Gewaltakt, der seinesgleichen sucht. Die ganze Aktion wirft ein höchst dubioses Licht nicht nur auf unseren Bürgermeister, sondern auf den ganzen Gemeindeausschuss, der – wenn auch kurzfristig – über das Vorhaben im Vorfeld informiert war. Dass niemand von den 4 Frauen und 2 Männern sich diesem Vorhaben widersetzt hat, stimmt sehr, sehr nachdenklich und auch die vollmundigen Betonungen unseres Bürgermeisters bezüglich Bürgerfreundlichkeit, Transparenz und Mitbestimmung erscheinen auf dem Hintergrund dieser Aktion in einem neuen Licht.

Waltraud Plagg, Schlanders