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Standortstreit: Net in meiner Wies!
10. Okt 2023 | ff 41/2023

Das Geeiere um die Alpitronic, die sich gern in Terlan ansiedeln möchte, was die Mehrheit der dortigen Bevölkerung allerdings verhindern will, dauert ja nun schon ein Weilchen an. Neu ist, dass der Ton in dem Schauspiel nun mehr und mehr an einen Liebesfilm gemahnt, an einen ohne Happy End allerdings: Man schätze das Unternehmen sehr, packte Bürgermeister Hansjörg Zelger das „Nein“ in schöne Worte, und jede Gemeinde wäre glücklich, wenn sich so ein Betrieb ansiedle, aber: Terlan sei einfach nicht der passende Ort.

Man kennt solche Sätze sonst eher in Bezug auf einen Kavalier, dessen Avancen man sehr wohl genießt, aber fürs Heiraten, nein, da schaue er sich doch bitte anderswo um. Andere Mütter haben auch schöne Töchter, sozusagen, nur geht’s in diesem Fall halt um Grundstücke. Und was das Landschaftliche betrifft, verstehe ich sie, die Terlaner: Noch blicke ich von meiner Terrasse auf einen denkmalgeschützten Hof und Weinberge, in absehbarer Zukunft wird der Blick durch Mehrfamilienhäuser verstellt sein. Das schmerzt, und auch ich möchte rufen: Das ist nicht der passende Ort! Aber hätten das meine Nachbarn seinerzeit auch gerufen, dann würde ich gar nicht hier wohnen. Tja.

Der gängige Begriff dafür, wenn man Strukturen zwar grundsätzlich befürwortet und ihren Nutzen anerkennt, sie aber bitte nicht vor der eigenen Haustür haben möchte, lautet übrigens NIMBY (Not in my backyard) – oder südtirolerisch: NIMW! (Net in meiner Wies!) NIMW! rufen einige im Land: die Gegnerinnen der geplanten Standseilbahn in Meran zum Beispiel, oder die Gegner der Verlegung der Bahntrasse in, ja schon wieder, Terlan.

Es soll gefälligst alles so bleiben, wie es ist, im eigenen Revier. In Zeiten wie diesen ist das ein großes Problem, weil sich einiges ändern muss, wenn man das Gemeinwohl im Blick hat. Es stellt sich die Frage: Was ist nötig, woran kann man sich gewöhnen? Übrigens: In den Liebesfilmen geht der verschmähte Kavalier alsbald mit einer anderen Dame spazieren, die Reue kommt dann meist zu spät.

von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin