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Leitartikel
Hände weg von der Schule!
Die Schule darf kein Spielball der Politik sein. Hören wir auf die, die sich wirklich damit auskennen.
Georg Mair | 2. Okt 2024 | ff 40/2024

Wir erleben in diesen Tagen eine Auseinandersetzung über die Schule, die der Schule nicht guttun kann. Und in dem die Betroffenen keine Stimme haben, die Lehrpersonen nicht, die Eltern nicht. Und die Kinder und Jugendlichen, immerhin 90.000 in der italienischen und deutschen Schule, schon gar nicht.

Es geht um den Versuch, in der Goetheschule in Bozen, einer deutschen Grundschule, eine erste Klasse mit Kindern zu besetzen, die schlecht oder gar nicht Deutsch können. Die Direktorin wurde schon im Vorfeld auf die Unrechtmäßigkeit ihres Vorgehens hingewiesen, sie tat es trotzdem. War es eine Provokation, ein gezielter Regelbruch, um etwas zu verändern? Manchmal braucht es ja einen Regelbruch, um Dinge in Gang zu bringen. War es das, ist ihr die Sache entglitten.

Denn über Schule und das Thema, das Erlernen der eigenen Sprache, kann jetzt nicht mehr vernünftig geredet werden. Dafür gibt es viele Lösungen (Sonderklassen sind keine, siehe Gastbeitrag von Nadja Thoma in ff 39/24). Die Goetheschule ist jetzt ein politischer Spielball, der Volkstumsfraktion in der SVP, der deutschen Rechten, die keine Gelegenheit zur Hetze auslassen.

Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner hat gegen die Direktorin der Goetheschule ein Disziplinarverfahren eingeleitet. War das notwendig? Sie hat damit den Dolomiten, Teilen der SVP und der deutschen Rechten und Rechtsextremen, die sich ausnahmsweise einmal einig sind, Gelegenheit gegeben sich zu entrüsten. Aber wie jetzt sie an den Pranger gestellt wird, ist schändlich. Würde man das auch mit einem Mann tun? Die größte Partei, die die Goethedirektorin hochleben lässt und Falkensteiner jagt, sind die Dolomiten. Doch das eigentliche Ziel ist Philipp Achammer, Landesrat für die deutsche Schule und Kultur. Er hat sich vergeblich jahrelang an das Blatt angebiedert.

Es gäbe am Wirken von Falkensteinereiniges zu bemängeln, man weiß oft nicht, wofür sie steht, wie sie gegenüber der Politik das Eigene, die Schule, vertritt. Aber man sollte bei der Kritik an ihrem Vorgehen eines bedenken: Die Einleitung eines Disziplinarverfahrens ist noch kein Schuldspruch, die Einladung von Schuldirektoren, die öffentlich die Bildungsdirektion des Landes kritisieren, zum Gespräch keine Einbestellung zum Rapport, son-dern ein normaler Vorgang. Wäre es anders, wäre der Betrieb schlecht geführt. Auch Toni Ebner, Chefredakteur der Dolomiten, würde einen Redakteur, der seine Zeitung öffentlich angreift, zu einer Aussprache bitten. Und die Landesschuldirektorin wäre bestimmt heftigen Angriffen vonseiten der gleichen Leute ausgesetzt, würde sie die Einrichtung einer mehrsprachigen Klasse dulden.

Achtung: Es geht um Kinder – und darum, dass niemand ausgegrenzt werden darf. Die wahren Fachleute sind die Lehrpersonen. Sie müssen in die Lage versetzt werden, ihre Arbeit gut zu machen, mit mehr Gehalt und mehr Personal. Hören wir also auf die Fachleute. Im Moment versucht jeder den anderen zu überschreien. Es ist ein übles politisches Spiel, neun Monate vor den Gemeinderatswahlen.

Schule ist kein Spielball der Politik, dagegen sollten sich gerade Schulführungskräfte und Lehrpersonen wehren. Hände weg von der Schule!