Herbst 2023. Eine italienische Supermarktkette veröffentlicht einen Werbespot, in dem ein kleines Mädchen die Mutter im Supermarkt bittet, ihr einen Pfirsich zu kaufen. Sie verstaut ihn sorgfältig in ihrem Rucksack. Zu Hause dann wird klar, dass der Vater des Mädchens nicht (mehr) bei ihnen wohnt, weil er an der Tür klingelt, um das Mädchen abzuholen. Ins Auto eingestiegen, nimmt es den Pfirsich aus dem Rucksack und gibt ihn dem Vater mit den Worten „Der ist von Mama“, woraufhin der Vater lächelt und meint, er werde wohl die Mutter anrufen, um sich dafür zu bedanken.
Eine kleine, feine Geschichte, die genau das macht, was gute Werbung eben machen soll: Emotionen wecken (das ist übrigens dieses famose Storytelling, ein mittlerweile auch aus der Südtiroler Werbewelt nicht mehr wegzudenkendes, wenn auch oft nicht ganz verstandenes Schlagwort). Eine deutsche Supermarktkette machte 2015 etwas Ähnliches, ließ dabei aber sogar einen Opa seinen Tod vortäuschen, um die Familie am Weihnachtstisch zusammenzubringen.
Aber zurück zum Pfirsichspot und seinen Folgen: In den sozialen Medien wittern besorgte TV-Konsumenten eine Retraumatisierung von Scheidungskindern und die Glorifizierung der traditionellen Familie, für die sich Meloni und Salvini so stark machen. Da hilft es natürlich wenig, dass genau die beiden der Aktion wohlwollend gegenüberstehen, wie sie verlauten lassen. Im Gegenteil, nun kräht auch noch das gegnerische Lager vorhersehbar, sie sollen sich um Wichtigeres kümmern, und – schwupps! – wird die kleine, feine Geschichte zum Politikum.
Im Gegensatz zum Werbespot für eine italienische Chipsmarke, in der Ex-Pornostar Rocco Siffredi im goldenen Morgenmantel durch eine mit halbnackten Frauen dekorierte Poollandschaft lurcht und doppeldeutig über Patatine und Pacchetti schwafelt. Die Story, die damit erzählt wird, geht offenbar für alle in Ordnung.
von Bettina Conci | Schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Kindgerechtes und Kontroverses