Der Leitartikel zur „Sonderklasse“ an einer Schule in Bozen ist schwer verdauliche Kost. Nun ja, wenn der Zug beim Abfahren ist und man noch schnell seinen eigenen Senf unterbringen muss, bleibt keine Zeit mehr für seriöse Recherche. Als Ersatz dafür wird eiligst arrogantes Schwarz-Weiß-Denken zu Papier gebracht. Das ist inzwischen so Usus in unserer Gesellschaft.
Außerdem: kein Aufruf zum Dialog, dafür Mutmaßungen, Unterstellungen und Diffamierungen. Andersgesinnten würde man im umgekehrten Fall zu Recht bösartige Stammtischrhetorik vorwerfen.
Was hat es mit der sinnbefreiten Bemerkung „Zum Glück ist Südtirol Italien“ für eine Bewandtnis? Soll jetzt am italienischen Wesen die Welt genesen oder will man den Lesern ungefragt Geschichtsunterricht erteilen? Von allen Südtiroler Medien erwarte ich ausgewogene, faire Berichterstattung und kein ideologisches Geplänkel, das auf dem Rücken der Kleinsten ausgetragen wird. Ihr sollt einen Beitrag zum Verständnis der Menschen untereinander leisten und nicht die ohnehin weit fortgeschrittene Spaltung unserer Gesellschaft zusätzlich befeuern. Nicht mehr und nicht weniger.
Bernd Greis, Meran