Im Leitartikel wird der Lehrermangel als „auch hausgemacht“ bezeichnet, weil die Freie Universität Bozen „nicht genügend Studienplätze bereitgestellt“ hätte. Diese Behauptung ist aus der Luft gegriffen. Die Studienplätze für den Studiengang Bildungswissenschaften für den Primarbereich werden in Absprache mit dem Land festgelegt und sind seit Jahren 255 in der deutschen Abteilung, 80 in der italienischen und 18 in der ladinischen. Diese Zahlen sind entsprechend dem Bedarf festgelegt. Das Problem ist, dass sich nicht genügend Interessenten für diese Plätze finden. Ein Grund dafür ist in der Demographie zu finden, mit der sich die westlichen Gesellschaften mehr und mehr auseinandersetzen müssen. 1965 hatte Südtirol knapp 9.700 Geburten, also zumindest potentiell so viele Berufseinsteiger 1985. Im Jahr 2004 hatte Südtirol noch 5.450 Geburten, die den potentiellen Studienanwärtern des Jahres 2022 entsprechen (-44 Prozent). Der aktuelle Bedarf an Lehrkräften, der im Vergleich zu 1985 mehr oder weniger gleich geblieben ist, muss mit der Hälfte der Anzahl an potentiellen Kandidaten bestritten werden (dieses Problem haben fast alle Berufe im Land). Wieso dann unter diesen potentiellen Kandidaten der Lehrerberuf an Attraktivität eingebüßt hat, ist im ersten Teil des Leitartikels teilweise beschrieben. Dort gilt es anzusetzen.
Professor Paul Videsott,
Dekan der Fakultät für Bildungswissenschaften