„Liebe als Handicap“
Wie gefährlich ist die virtuelle Welt für Kinder und Jugendliche? Interview mit der Pädagogin Petra Wallnöfer in ff 33/26
Es klingt zwischen den Zeilen mit, es wird gedanklich am Seitenrand erwähnt, aber es wird wieder nicht laut ausgesprochen: Wir fordern Kinder und Jugendliche mit Medienkompetenz, ohne Erwachsene zu haben, die diese überprüfen könnten.
Ja, in der Schule können sich Lehrpersonen schon seit Jahren in Medienkompetenz schulen lassen und wer, wenn nicht die Schule soll unsere Kinder unterrichten? Aber wenn wir schon schulisch denken: Unterrichtet werden Kinder und Jugendliche sechs Stunden am Tag. Das bedeutet, dass sie 18 Stunden außerhalb der Schule ihr Wissen erlangen. Was hilft es also, dass sie in der Schule lernen Posts und Kommentare zu checken, wenn zu Hause die Stammtischparolen aus Facebookbeiträgen wiederholt werden; oder das Handy immer griffbereit sein muss.
Solange wir von unserem Nachwuchs fordern, ohne selbst einen Schritt zu machen, ändert sich nichts. So werden weiterhin Erwachsene, die sich schwer damit tun, den Wahrheitsgehalt einer satirischen Kolumne mit Augenzwinkern von einer lang recherchierten Reportage zu unterscheiden, von den Jüngeren erwarten, sie sollten doch erkennen, wenn in zusammengeschnittenen Videos Meinung transportiert wird oder dass der sich Doktor nennende Beitragsersteller keinen Klarnamen verwendet.
Daher bitte, lasst uns den Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz beibringen – nachdem auch unsere Erwachsenen diese erlangt haben. Vergeben wir gratis Handykurse und Internetsurftrainings. Ermutigen wir auch die älteren Semester über ihre Blasen nachzudenken.
Julian Stuefer, Brixen