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Schneckentempo
Motorradfahrer haben auf unseren Passstraßen Narrenfreiheit. Leitartikel in ff 34/25
ff media | 3. Sep 2025 | ff 36/2025

Als Motorradfahrer bin ich der erste, der bei denen, die öffentliche Straßen mit einer Rennstrecke verwechseln, Führerschein und Fahrzeug beschlagnahmen würde. Aber sich dermaßen über eine Kategorie auszulassen, obwohl diese einen Bruchteil der Straßen nutzt und minimale Luftverschmutzung verursacht, ist zu einfach. Selbst wenn die Fahrweise einiger verwerflich sein mag, finde ich für eine Radfahrerin auf einer Südtiroler Passstraße die deutsche Rentnerin „Gerda“ (meist sind es Frauen) mit ihrem 7-Meter-Camper deutlich gefährlicher, zumal sie gar nicht merkt, wenn sie einen Radfahrer umfährt.
Eine Kategorie verbieten, die regelmäßig Motorradsteuern zahlt, die die Instandhaltung der Passstraßen mitfinanziert, damit Radfahrer, statt auf eigens gebauten Radwegen, auf den Straßen allein fahren können? Zumal die meisten Radfahrer mit 10 km/h und in Zweierreihen die gefährlichste Kategorie der Verkehrsteilnehmer sind.
In den Tälern um die „Alpi Giudicarie“ teilen sich Overlander, Radfahrer, Influencer und Motorradfahrer friedlich die Straße. Im friaulischen „Carnia“ dürfen motorisierte Fahrzeuge die „Alta Via delle Malghe“ befahren und werden von den Wirten auf ein Stück Käse eingeladen. Der große Unterschied zu den Südtiroler Passstraßen: Die Menge an Leuten beträgt geschätzt ein Fünftel.
Wir regen uns heute über die Motorradfahrer auf, morgen über die Camper, übermorgen sind es die E-Bikes. Aber keiner spricht das wahre Problem an. Während wir im Verkehr ersaufen, teilt die Politik Gelder an die IDM aus, um noch mehr Besucher aus dem Ausland anzulocken. Vielleicht wäre ihre mediale Präsenz nützlicher, wenn sie einen Artikel recherchieren würde, aus dem ersichtlich ist, um wie viel die Gehälter der Südtiroler Arbeitnehmer erhöht werden könnten, wenn der unendliche Geldstrom an die IDM für „Destinationsmanagement“ endlich aufhören würde.
Federico Rossi, Brixen