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Alles auf eine Karte
ff 34/24 über den Südtirol Guest Pass und den Unmut, den er hervorruft
ff media | 4. Sep 2024 | ff 36/2024

IDM und Politik werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die Gästekarte nicht gratis ist, sondern dass die Gäste mit dem stattlichen Betrag von jährlich 20 Millionen Euro zu den Kosten der Mobilität beitragen.

Dies ist eine glatte Irreführung. Wie kann ein Beherbergungsbetrieb (egal welcher Art und Kategorie) einem Gast bei der Ankunft die Gästekarte in die Hand drücken und sagen, er könne damit kostenlos das Land mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereisen (was der Gast meist mit großem Staunen zur Kenntnis nimmt), und dann dem Gast bei der Abfahrt 60 Cent berechnen?

In Wahrheit ist die Gästekarte nichts anderes als eine Zwangsabgabe zulasten des Betriebes, da der Druck der Tourismusvereine derart stark ist, dass man sich diesem nicht entziehen kann und nolens volens die Gästekarte kauft. In Kaltern gibt es gar einige Gäste, die die Gästekarte nutzen, um mit der Standseilbahn auf die Mendel zu fahren, allein deshalb, weil dort der Cappuccino 20 Cent billiger ist als im Dorf.

Habe mir sagen lassen, dass zahlreiche Chinesen und andere Asiaten nach Deutschland kommen, sich am Flughafen ein PS-starkes Auto mieten und eine Woche lang die Autobahnen auf und ab und kreuz und quer rasen, allein deshalb, weil Deutschland eines der wenigen Länder ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ist. Es ist zu befürchten, dass es sich herumspricht, dass man sich in Südtirol lediglich in einem auch nur bescheidenen Beherbergungsbetrieb einquartieren muss, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Sightseeingtour auf und ab und kreuz und quer durchs Land zu unternehmen.

IDM und andere Tourismusfachleute und Politiker werden diese neue Art von Tourismus vermutlich noch attraktiver machen, indem sie einen passenden Audioguide entwickeln lassen, die dem Gast (natürlich) gratis zur Verfügung gestellt und dem Beherbergungsbetrieb mit weiteren 60 Cent (?) angelastet wird.

Dem ersehnten Ziel der Füllung der Vor- und Nachsaison und der Erreichung der magischen Zahl von 40 Mio. Nächtigungen wird man damit ein gutes Stück näher kommen.

Reinhart Volgger, Kaltern