Der Weg in Richtung Pornotourismus ist definitiv eingeschlagen. Peter Treibenreif fasst es bestens zusammen:
„Südtirol ist an einem Scheideweg angelangt. Es geht gar nicht darum, sich für ein Weniger zu entscheiden. Es geht darum, konsequent hinter getroffenen Entscheidungen zu stehen. Daran aber scheitert Südtirol. Weil es die Entscheidungsträger allen recht machen wollen. Auf der einen Seite lebt Südtirol vom Tourismus. Und das ziemlich gut. Andererseits fordern die Anwohner, dass der Verkehr reduziert wird. Aber bitte so, dass der Einzelne nicht groß eingeschränkt wird. Das klingt nicht nur wie ein Widerspruch, das ist einer.
Wer mit dem Unesco-Weltnaturerbe wirbt, muss damit rechnen, dass die Menschen dieses Weltnaturerbe erleben wollen. Nach innen gibt sich Südtirol ökologisch und wirbt mit Verkehrsbeschränkungen. Weil sich das gut verkaufen lässt. In der Praxis dann aber scheitert der Plan, weil es keine Kontrolle und damit auch keine Sanktion gibt.
Die Touristen wären bereit, das Auto abzustellen. Das funktioniert sogar im so autoabhängigen Amerika – zum Beispiel beim Grand Canyon. In Südtirol aber scheitert ein Verkehrsverbot auf der Seiser Alm, am Sellajoch oder im Pragser Tal. Nicht an den Touristen. Sondern an den Touristikern“.
Michil Costa, Corvara
Überhitzter Tourismus
Ist der Fremdenverkehr Konjunkturlokomotive oder Heimsuchung? Leitartikel in ff 33/18
