Wir haben es versucht“, heißt es im offiziellen Presseschreiben der „Letzten Generation Österreich“. Die Klimabewegung löst sich auf. Keine Blockade von Autobahnen oder Flughäfen, keine Farbwürfe auf berühmte Gemälde und vor allem niemand mehr, der sich an Straßen klebt.
Die „Letzte Generation“ ist in Deutschland entstanden, wo sie heute noch aktiv ist. In Österreich gab es die Klimabewegung seit 2021. Immer wieder sorgte die „Letzte Generation“ mit polarisierenden Aktionen für Empörung. So beschmierten sie beispielsweise ein durch eine Glaswand geschütztes Klimt-Gemälde mit schwarzer Farbe, färbten das Wasser öffentlicher Brunnen mit natürlicher Farbe grün oder blockierten vor Kurzem noch den Wiener Flughafen. Vor allem aber sorgten sie durch ständiges Ankleben auf Straßen und Autobahnen für Stau und viele Diskussionen.
Zu den Aktivisten der „Letzten Generation“ gehörte auch der Brixner Jakob Dellago. Er war seit rund einem Jahr in Wien für die „Letzte Generation“ aktiv und wurde schon einige Male von der Polizei abtransportiert. „Das Aus“, sagt er, „hat mich überrascht.“
„Es war eine spontane Entscheidung“, erklärt der Aktivist und Filmproduzent Moritz Holzinger, auch er ist in Brixen aufgewachsen. Er ist schon länger mit von der Partie und war beim Entschluss, die Sache jetzt zu beenden, dabei. „Die Letzte Generation hatte ihre Zeit und hat alles probiert. Aber es bringt nichts, immer weiterzumachen, wenn keine Veränderung zu sehen ist“, erklärt er.
So wenig die Politik sich verändert hat, musste Holzinger feststellen, so wenig hat sich auch die Bevölkerung am Protest beteiligt, es gab wenig Verständnis für die Klimakleber.
Holzinger hofft, dass die Entscheidung Politik und Gesellschaft wachrüttelt; mit ihren bisherigen Aktionen sind sie damit gescheitert. Denn noch, sagt Holzinger, sei das Klima zu retten: „Wir dürfen jetzt weder in Resignation verfallen noch optimistisch werden.“
Das gelte auch für Südtirol, sagt Jakob Dellago: „Wir denken oft, wir leben in Südtirol in einem Heiligen Land, wo uns nichts passieren kann. Aber wenn an anderen Orten die Ressourcen knapp werden, werden die Menschen dorthin flüchten, wo das nicht so ist. Und das ist zu uns.“
Ein Blick auf den Klimawandel-Monitor der Eurac reicht, um festzustellen, dass es der Klimawandel auch zu uns geschafft hat. Seit dem Jahr 1980 ist es in Südtirol durchschnittlich 2 Grad wärmer geworden, es kommt zu moderater Trockenheit, wie etwa im Rekordjahr 2022, die Bäume blühen rund eine Woche früher und die Gletscher sind durchschnittlich um bis zu 790 Meter zurückgegangen.
„Der Ball liegt nun bei der Bevölkerung“, mahnt Dellago. „Nehmen wir die Klimakrise einfach so hin oder beginnen wir, endlich zu handeln?“
Miriam Fila
