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Wollen und Verzicht
ff media | 17. Aug 2022 | ff 33/2022
Hanne Ørstavik, ti amo. Karl Rauch Verlag 2021, 112 Seiten, 19,80 Euro

Der Text dieses kleinen -Romans ist vom Leben abgeschrieben. Der schmale Band in zartem Rosa erzählt von einer jungen Norwegerin, die für ihre große Liebe nach Mailand gezogen ist.

„ti amo“ handelt allerdings nicht vom Anfang, sondern vom Ende. Vor vier Jahren ist die Schriftstellerin dem Mann ihres Lebens, einem italienischen Verleger, begegnet, nur zwei Jahre später bekam er Krebs. Sie würde gerne mit ihm über den Tod reden, aber er lehnt es ab. Er plant Partys, obwohl ihr nicht danach ist, und geht arbeiten. Dann kommen wieder die Schmerzen, die selbst mit Morphium nicht mehr aufzuhalten sind.

Hanne Ørstaviks Schreiben trägt Schmerz, Glück und manchmal auch Wut in sich. Sie schildert, wie sie versucht, sich abzugrenzen, ihre Kräfte zu bewahren. Aber es gelingt nicht immer, stark zu sein. Also schreibt sie – während er stirbt.

„ti amo“ ist ein außergewöhnlich offenes, ein sehr persönliches Buch. Es geht um Lieben und Begehren. Wollen und Verzicht. Leben und Sterben. Es erinnert daran, dass wir uns nicht oft genug sagen sollten, wie sehr wir uns mögen. Denn früher oder später läuft uns allen die Zeit davon.

Alexandra Aschbacher