Wir haben uns geweigert zu sehen, was vor unseren Augen lag, schreibt Masha Gessen im neuen Vorwort zur italienischen Ausgabe ihres Longsellers über Wladimir Putin. Das Buch, zehn Jahre alt, erklärt, wie es dazu kommen konnte, dass der russische Machthaber die Ukraine überfallen hat und die europäische Sicherheitsordnung bedroht.
Die Journalistin, 55, ist in Moskau aufgewachsen und lebt heute in den USA. Sie hat lange in Russland gearbeitet. In „Der Mann ohne Gesicht“ macht sie deutlich, was Putin geformt hat. Geheimdienst, Zusammenbruch der Sowjetunion, unauffälliges Vordringen in die Politik, seine Gier und Brutalität, die Überzeugung, dass Russland Unrecht geschehen ist, die Abneigung gegen die Demokratie. Das Buch ist eine präzise Beschreibung des putinschen Denkens. Wir hätten gewarnt sein können.
Georg Mair
