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Seelenarbeit
ff media | 17. Aug 2022 | ff 33/2022
Édouard Louis, Im Herzen der Gewalt. Fischer 2019, 217 Seiten, 12,10 Euro

Édouard Louis, einer der Stars der französischen Literatur, beschreibt in diesem Buch, wie Gewalt Wahrnehmung, Denken und Fühlen eines Menschen verändert. In „Im Herzen der Gewalt“, seinem zweiten Roman, greift er wieder auf sein Leben zurück, wie schon in seinem Debüt „Abschied von Eddy“.

Am Weihnachtsabend trifft er auf dem Heimweg Reda und nimmt ihn mit nach Hause. Was als zärtliche Begegnung beginnt, endet in einer Vergewaltigung. Der Autor, 30, erzählt, wie ihm dieser Angriff auf Körper und Seele die Sprache verschlägt, wie er nach Worten sucht, um davon zu erzählen, wie die Angst zum ständigen Begleiter wird, wie er Ressentiments gegen „algerisch anmutende Männer“ wie Reda entwickelt. Immer wieder mischen sich andere Figuren, die Schwester des Autors oder die Polizeibeamten, die die Anzeige aufnehmen, in die Erzählung. Der Autor „entblößt“ sich, nur um dann tief in die eigene Seele und Herkunft und die Gesellschaft zu schauen.

Ein schmerzlich wahrhaftiges Buch.

Georg Mair