Wer werden wir gewesen sein? Vielleicht lässt sich diese Frage mit einem Blick ins Frankreich der 2040er-Jahre beantworten. Dort sehen wir: eine durchdigitalisierte, durchliberalisierte Welt. Städte, säuberlich nach Einkommensklassen geteilt, gänzlich in der Hand von Konzernen, die das Leben der hier Wohnenden, sprich: Zahlenden, bis in den letzten Winkel beglücken.
Diesen Einblick gewährt der Franzose Alain Damasio, durch die Science-Fiction-Brille. So fantastisch, dass beim Lesen der Mund offen bleibt, aber beinhart real. Sein Roman beklemmt: In einer Zeit, in der sich längst auch in Südtirol Einzelne, nicht immer am Gemeinwohl Orientierte, die Filetstücke der Städte gönnen; in der einzelne Firmen das Internet besitzen. Damasios Buch entzückt. Hier passiert viel, hier feuert ein inspirierter Schreiberling aus allen Röhren, feilt an den Rändern der Sprache und über sie hinaus. Poesie, Philosophie, Politik, Spaß, Spannung, alles dabei, durchgehend.
„Die Flüchtigen“ malt keine düstere Zukunft an die Wand. Es zeigt auf, was in der Gegenwart angelegt ist. Und auch, wie der Titel verrät, was dagegen wirkt. Ein Buch für alle, die noch nie in diesem Genre unterwegs waren. Und für alle anderen sowieso.
Alexander van Gerven
