„Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie oft Sie am Tag Danke sagen? Danke für das Salz, für die aufgehaltene Tür, für die Auskunft.“ So fängt der wunderbare Roman von Delphine de Vigan an. Erzählt wird darin die Geschichte von Michka, einer alten, sprachbegabten Dame, der langsam die Worte verloren gehen und die nun in einem Seniorenheim lebt. Sie hat ihr ganzes Leben eigenverantwortlich gelebt, war Fotoreporterin und Korrektorin bei einer Zeitung. Die Monotonie im Heim wird nur unterbrochen durch die junge Marie, die früher als Kind von Michka versorgt wurde, und vom Logopäden Jérôme. Die beiden wollen ihr den letzten Wunsch erfüllen: dem Ehepaar noch danke sagen, die sie als kleines Mädchen vor den Nazis gerettet hatten.
Die Geschichte wird mal aus Maries, mal aus Jérômes Perspektive erzählt. So ist man mittendrin im Geschehen. Es ist ein leises und liebevolles Buch, es geht um Fragen wie: Was bedeutet Dankbarkeit? Wie gehen wir mit alten Menschen um? Was heißt erinnern, was vergessen? Eine Geschichte, die berührt und zum Nachdenken anregt.
Alexandra Aschbacher
