Der Fairness halber sei angemerkt: Wer will, kann von 06:30–08:30 Uhr und von 19:00–21:30 Uhr gratis ins Lido; und neben dem Lido gibt es einen schmalen Steg, von dem aus man ins Wasser gelangt. Zwei mal zwei Meter groß – das ist nicht viel, um am See einen Badetag zu verbringen. Der Eintritt ins Lido ist auf den ersten Blick moderat: 10 Euro für Erwachsene und 5 für Kinder. Aber für eine Familie mit zwei Kindern macht das schon 30 Euro. Da kommt man schnell auf 50 Euro, wenn man sich auch ein Getränk leistet.
In Kaltern haben sich jetzt die Kontrahenten ineinander verkeilt. Es gibt, so scheint es, keinen Kompromiss zwischen dem Bürgermeister, der eisern die Interessen der Privaten vertritt, und den Robin-Leuten, die vehement einen freien Zugang zum See fordern. Der im Übrigen ja auch den Gästen zugutekommen würde. Gut eignen würde sich dafür das ehemalige Militär-areal im Südosten des Sees, das dem Land gehört.
Der Bürgermeister von Kaltern, Christoph Pillon, meint, es könne alles so bleiben, wie es ist. Das Land meint, man müsse einen freien Zugang schaffen. Es gibt an jedem Mittelmeerstrand in Italien Leute, die mit dem Strand Geschäfte machen, indem sie Schirme und Liegen aufstellen und sich dafür zahlen lassen. Aber es gibt daneben und dazwischen auch ein paar Streifen Sand, wo jeder seinen Schirm und seine Liege aufstellen darf.
Warum geht das in Kaltern nicht? Warum ist der Zugang zum See privatisiert? Es geht ja nicht darum, die Privaten zu enteignen, es geht um einen Streifen Land für alle. Es wäre freilich ein Problem, würde das Land den freien Zugang jetzt von oben verordnen, ohne mit der Gemeinde geredet zu haben. Aber was, wenn die Gemeinde und die Privaten nicht mit sich reden lassen? Gehört der See nicht allen, haben wir anderen nicht auch ein Recht, darin gratis zu baden oder gratis an seinem Ufer zu liegen?
Es ist eine grundlegende Frage, die dem Streit zugrunde liegt: Was ist öffentliches Gut? Was gehört wem? Wer darf was nutzen? Überwiegen die Interessen von ein paar Privatleuten, die ihre Grundstücke am See von Generation zu Generation weitervererben? Oder überwiegen die Rechte der Allgemeinheit?
Eine Antwort auf diese Fragen ist überfällig. Im Sinne der Allgemeinheit – der Kalterer See wäre ein Exempel dafür.