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Kultur: Potemkinscher Club
7. Aug 2024 | ff 32/2024

Wie groß war die Freude, als der Meraner Ost-West-Club vor Kurzem seinen neuen Sitz eröffnen durfte: endlich Platz, endlich Luft, endlich eine neue Heimat für den umtriebigen Verein, ohne den viele Junge und Junggebliebene wohl schon längst an der Kurstadt verzweifelt wären. Man fläzte sich gemütlich im Liegestuhl, schaute in die bunten Lichterketten und träumte von den tollen Events, die hier am Ex-Schießstandgebäude, prächtig renoviert, möglich sein würden.

Da konnte man vor lauter Vorfreude schon mal verdrängen, dass die Beziehung zwischen dem Club und der Stadtregierung nicht immer die beste gewesen war und sich mit dem Standortwechsel eventuell doch nicht in Friede, Freude, Eierkuchen auflösen würde. Und siehe da: Die Tanzschuhe waren schon entstaubt, die Instrumente gestimmt, da wurden Konzerte verschoben oder sogar abgesagt: Mal fehlte ein Zettel für ein Sicherheitslicht, mal ein dritter Fluchtweg, mal gab es zeitnah eine andere Veranstaltung in der unmittelbaren Nähe, und den Anwohnenden dürfe man auch nicht zu viel zumuten, so gleich am Anfang.

Unverständlich, wie es dann überhaupt zur Eröffnungsfeier hatte kommen können, und unverständlich auch, wieso die Gemeinde bei einem Kulturverein päpstlicher als der Papst agiert, während man bei lautstarken kommerziellen Events im Zentrum bisweilen wenig Verständnis dafür hat, dass Leute, die dort wohnen, nach Mitternacht dann doch auch mal eine Runde schlafen möchten. Andererseits muss man natürlich auch den Club fragen, wieso er Konzerte bewirbt, für die er noch keine Genehmigung erhalten hat, und so für Enttäuschung bei seinen Anhängern sorgt.

Den Meraner Bürgermeister hat man zu alledem noch nicht vernommen, vermutlich würde er sagen: Sollen sie doch Padel spielen! Wie dem auch sei, den Verantwortlichen auf beiden Seiten ist zu wünschen, dass sie ein dialogbereites Auskommen finden, damit das malerische Clubgebäude nicht zum Potemkinschen Dorf verkommt, das zwar schön anzusehen, aber nur Fassade für die tote Hose ist, die man von Meran eh schon zur Genüge kennt. Dafür sind drei Millionen investierte Euros dann doch zu viel.

von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin