Neulich bemängelte die Tageszeitung taz auf ihrem Instagram-Account, dass es im US-Wahlkampf ein Ungleichgewicht in der Berichterstattung gebe. Es mag vielen auf den ersten Blick vernachlässigbar und unwichtig erscheinen, regt aber zum Denken an: Während über die designierte Kandidatin der Demokraten, Kamala Harris, meist unter Verwendung ihres Vornamens berichtet wird (und sie dies auch durch ihre Kampagne forciert, um mehr Volksnähe zu schaffen), ist Trump für kaum jemanden einfach „Donald“.
Die Zeitung strickt daraus ein etwas holpriges Plädoyer für mehr Gleichberechtigung in der Berichterstattung über Prominenz aus Politik, Wissenschaft und Unterhaltung. Holprig deshalb, weil das Argument, über Taylor Swift würde aus Respektlosigkeit nicht mit ihrem Nachnamen berichtet, etwas arg bemüht ist. Im Fall männlicher Sexsymbole schwärmt ja auch niemand vom Pitt, vom Depp oder vom Scott. Und es stimmt zwar, dass Angela Merkel von den deutschen Medien gern mal mit dem Vornamen oder mit dem unsäglichen „Mutti“ tituliert wurde und Scholz nie einfach nur Olaf ist (warum heißen die aber auch alle wie Zeichentrickfiguren?). In Italien ist es allerdings genau umgekehrt: Es gab nur einen Silvio, so wie es nur eine Meloni gibt (mit „Giorgia“ ist hierzulande die gleichnamige Sängerin gemeint).
Alles halb so wild also. Vor allem, wenn man den Blick Richtung Südtirol richtet. Unsere Berühmtheiten werden in den Medien je nach Lust und Laune mit Vor- oder Nachnamen genannt, wobei durchaus auch Sympathie eine Rolle spielt – besonders im Sport, siehe Jannik, Doro oder Alex. Aber auch in der Politik heißt es oft nur Magda oder Luis; soll im Gegenteil Distanz geschaffen werden, spricht man von Holzeisen oder Wirth-Anderlan.
Etwas befremdlich wirkt es lediglich, wenn Kosenamen verwendet werden. Wie die Schlagzeile einer Tageszeitung Mitte Juli über Waltraud Deeg: „Rüge für Wally“.
von Bettina Conci | Schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Kindgerechtes und Kontroverses