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Klimakrise: Was erlauben Lauterbach?
2. Aug 2023 | ff 31/2023

Vom deutschen Gesundheitsminister Lauterbach ist bekannt, dass er kein Salz mag. Das hält ihn aber nicht davon ab, ebensolches in offene Wunden zu streuen: Vor Kurzem im Italienurlaub, twitterte der Minister über die „spektakuläre Hitzewelle“ und prophezeite: „Wenn es so weiter geht, werden diese Urlaubsziele langfristig keine Zukunft haben. (…) Eine Ära geht zu Ende.“ Bämm! Das saß. Die italienische Tourismusministerin Daniela Santanchè beeilte sich, daran zu erinnern, dass der Klimawandel den gesamten Planeten betreffe und nicht nur Italien. Und: Mit einem ominösen „strategischen Plan“ werde es gelingen, den Tourismus „365 Tage im Jahr einladend und nachhaltig“ zu gestalten. Etwas ungehaltener reagierte der Lebensgefährte von Premierminister Giorgia Meloni, der Lauterbach empfahl, doch einfach zu Hause zu bleiben, wenn es ihm in Italien nicht behage. Empörung über den vorwitzigen Deutschen, der den Italienerinnen und Italienern wieder mal erklären wolle, wo es langgeht, gab es auch in meinem Umfeld. Was der sich erlaube? Im Juli sei es immer sehr heiß in Italien, das sei doch wohl normal.

Normal aber wird anders. 48 Grad Celsius hatte es kürzlich auf Sizilien und Sardinien. Dieser Juli gilt als der heißeste Monat seit Jahrtausenden. Und der Mittelmeerraum stellt sich immer mehr als Hotspot der Klimakrise heraus: Rekordtemperaturen, Wasserknappheit und Extremwetterereignisse machen diesem Gebiet ganz besonders zu schaffen. Dass da nördlichere Urlaubsziele in den Sommermonaten attraktiver werden, dafür bedarf es keiner großen Vorstellungskraft. Lauterbach dafür zu knüppeln, dass er etwas in Worte fasst, was längst augenscheinlich ist, ist angesichts der verheerenden Konsequenzen für den Tourismus nachvollziehbar, es ändert aber nichts am Sachverhalt. Man kann den Überbringer schlechter Nachrichten hinrichten, man kann ihn meinetwegen in Salzlake legen, die Botschaft bleibt bestehen: Der Klimakrise ist egal, ob wir sie wahrhaben wollen oder nicht. Sie findet trotzdem statt.

von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin