die Zeit ist etwas Eigenartiges: Manchmal läuft einem die Zeit davon, dann scheint sie plötzlich stillzustehen. „Zeit“, sagte seinerzeit der Physiker Albert Einstein einmal ganz simpel, „Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.“
Am Rittner Sonnenplateau scheint die Zeit so manches Mal stillzustehen, insbesondere in den Sommermonaten. Wenn im Bozner Talkessel die Hitze drückt, dann fliehen viele Boznerinnen und Bozner auf den Ritten in die „Sommerfrische“. Diese hat eine lange Tradition – schon im 17. Jahrhundert zogen sich Bozner, die es sich leisten konnten, zum Urlauben auf den Ritten zurück. So entstanden die Sommerfrischsiedlungen von Maria Himmelfahrt, Oberbozen und Klobenstein. Es war eine eingeschworene Gesellschaft, und die Sommerfrischler pflegten eine Reihe von Ritualen. Viele dieser Familien haben dort oben heute noch ihr Sommerhaus – Verena Pliger hat sich diesen ganz eigenen Kosmos angeschaut und hat sich gemeinsam mit Fotograf Alexander Alber auf die Spuren der Sommerfrischler gemacht. Dazu hat Karl Hinterwaldner die Besitzverhältnisse der Himmelfahrt-Bewohner unter die Lupe genommen. Die Titelgeschichte finden Sie ab Seite 28.
Achten wir mal nicht allzu sehr auf die Zeit, dann vergeht die Zeit sehr viel schneller. Diese Erfahrung machte auch Andrej Werth. Im Herbst 2019 fragte er das erste Mal im Büro von Jean-Claude Juncker für ein Interview an. Ohne Erfolg: Es seien keine Interviews mehr möglich, so hieß es, da Juncker bis zum Ende seiner Amtszeit ausgebucht sei. Die Zeit verging, aber der ff-Journalist hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, meldete sich in diesem Frühjahr noch einmal im Büro von Juncker – und bekam für 22. Juli einen Interviewtermin. Das Sommergespräch mit dem ehemaligen Kommissionspräsidenten können Sie ab Seite 20 nachlesen. Bevor Werth das Büro verließ, rief ihm der 66-Jährige nach: „Grüß mir Südtirol!“
Eva Klein hat, wenn man so will, der Zeit getrotzt. Die 1931 geborene Boznerin war eine der ersten Frauen im Südtiroler Journalismus. 35 Jahre lang arbeitete sie für die deutschen Seiten beim Alto Adige und leitete diese von 1977 bis zu ihrer Pensionierung 1996. Jetzt ist im Raetia-Verlag ihr Buch erschienen: „Tante Fila, Onkel Checco. Anekdoten einer k. u. k. Großfamilie.“ Anlass genug, Frau Klein zu besuchen. Den Artikel von Norbert Dall’Ò finden Sie ab Seite 52.
Wir wünschen Ihnen eine anregende ff-Lektüre

