Zum Hauptinhalt
Klimapolitik: Fürchtet euch nicht!
26. Jul 2023 | ff 30/2023

Ist das, was uns bevorsteht, nun die Klimakrise, oder ist es die Klimachance? Bisher dachte ich, es sei eine Krise und dass ich weiß, was Krise ist: nicht unbedingt die Katastrophe, aber auf jeden Fall eine Gefahr, eine schwierige Situation. Inzwischen habe ich den Landeshauptmann seinen „Klimaplan“ vorstellen gehört: 157 „Maßnahmen“ bis 2040 − und alles wird gut. Nicht nur: Noch besser werden wir es dereinst haben. Denn die Klimakrise, richtig verstanden, ist eigentlich eine Chance. Wir brauchen uns vor nichts zu fürchten, wir müssen eine Chance ergreifen. Der Klimaplan kostet Geld, klar, aber es ist gut ausgegebenes Geld, eine Investition eben. Und abgesehen von allem, „wir starten begünstigt“, weil Südtirol so schon in allem besser ist als die Konkurrenz. „Wir haben einen Wettbewerbsvorteil“, wird uns gesagt.

Verstanden. Katastrophen sind gut fürs Wirtschaftswachstum. Noch besser sind Kriege. Ich unterstelle meinem Landeshauptmann nicht Leichtfertigkeit und schon gar nicht Unwissenheit. Er kennt sich aus. Und er weiß, dass er nicht die Wahrheit sagt. Er weiß, warum er so Zuversicht heischend spricht, so unwahr beschönigend. Er steht vor der Frage aller politischen Fragen: Wie viel unbequeme Wahrheit verträgt die Demokratie? Nichts ist banaler, als dem Landeshauptmann jetzt wahlkämpfende Schönfärberei vorzuwerfen. Klar ist es Wahlkampf. Er will gewinnen, muss er auch. Dazu braucht er – in der Demokratie, Leute! – gute Botschaften. Ist halt so. War immer so. Vom Wahlvolk erfolgreich „Blut, Schweiß und Tränen“ zu fordern, gelang nur Churchill, und es war Krieg. Der deutsche Grünen-Star Habeck wagte mit dem Heizungsgesetz ein Stück notwendiger Wahrheit. War schon zu viel. Er stürzt ab. Eine strafende Politik, schon nur eine Verzichtspolitik, hat im demokratischen Wettbewerb keine Chance. Das ist die traurige Wahrheit, und nicht, dass Arno Kompatscher es kapiert.

von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff