Der Kampf gegen Hass im Netz ist natürlich edel. Der Südtiroler Landtag hat einen Beschlussantrag genehmigt, der darauf abzielt, den „Hass im Netz wirksam“ zu bekämpfen. Eingebracht haben ihn die SVP-Landtagsabgeordnete Waltraud Deeg, die in dieser Legislatur von der Hinterbank aus regiert, und SVP-Fraktionssprecher Harald Stauder, ein Mann mit scharfer Zunge.
Gut klingt, was vorgeschlagen wird: eine ressortübergreifende Strategie, Stärkung der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern, regelmäßige Erhebungen, eine zentrale Koordinierungsstelle. Und ein paar schöne Dinge mehr.
Das ist richtig, denn Hass und Hetze zerfressen die Demokratie, schüren Gegensätze, spalten. Doch Demokratien tun sich nicht leicht mit Beschränkungen. Verbote sind ein Angriff auf das Freiheitsversprechen einer liberalen Gesellschaft, doch andererseits rüttelt Toleranz der Intoleranz an ihren Grundfesten.
Hass im Netz geht leicht. Erstens sieht man die Menschen nicht, die man beleidigt, zweitens können Hater nur schwer verfolgt werden – die Polizei ist da sehr träge, und wenn, dauert es ewig, bis es ein Gerichtsverfahren und ein Urteil gibt. Und ja, man muss genau unterscheiden, was eine Beleidigung ist und was nicht. In den USA ist fast nichts eine Beleidigung – eine gruselige Vorstellung, wenn man an Donald Trump denkt.
Und dann sind da noch die digitalen Plattformen, die für nichts haften, die gerne die Auskunft verweigern, wenn es um Hassbotschaften geht. Sie machen den Beschluss des Landtags zur reinen Absichtserklärung. Deshalb kann der Hass im Netz wirksam nur bekämpft werden, wenn auf europäischer Ebene die Tech-Riesen in die Verantwortung genommen werden, die mit unseren Daten – und mit dem Hass – Profite machen.
