Von allen Institutionen, die regelmäßig und ungefragt mit Ratschlägen versorgt werden, trifft es die Schule stets am härtesten. „Warum kommt aus dem Bunsenbrenner kein Herz-Jesu-Feuer?“, fragen die Rechten. „Wieso heißt Völkerball nicht Bevölkerungsball?“, fragen die Linken. Südtirol hat vielleicht nur drei Schullandesräte – aber Tausende, die sich dafür halten.
Federico Giudiceandrea ist einer davon. Der Mann ist Mitgründer der Firma Microtec, Weltmarktführer bei Holz-Analysen, und Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings. Klingt nach zwei stressigen Jobs, dennoch hat Giudiceandrea Zeit für einen dritten. Er verteilt Zeugnisse an die Lehrkräfte des Brixner Oberschulzentrums Fallmerayer. Das Problem: Die Lümmel tanzen nicht nach seiner Pfeife. »Frustriert« und »enttäuscht« sei er, klagte Giudiceandrea im Magazin Brixner.
Was war passiert? Das Kollegium hatte mehrheitlich gegen eine »internationale Schule« im eigenen Haus gestimmt. Der englischsprachige Zweig war ein Wunsch der Wirtschaft, erfunden von einer Schweizer NGO – und als Elitenprojekt positioniert. Südtirol werde damit attraktiv „für Familien von potenziellen ausländischen Fach- oder Führungskräften“, träumte der Unternehmerverband, ein „best place to work, live and invest“.
Wen wundert es, dass Lehrer bei solchen Phrasen borstig werden? Kaum eine Schule wird gern wie ein Jobcenter behandelt. Und niemand bespaßt gern „internationale“ Manager-Kinder, während die Tschöggl nebenan am Overhead-Projektor hantieren. Nur Giudiceandrea versteht die Welt nicht mehr. Er klagt darüber, dass der Wirtschaft „nicht einmal die Möglichkeit zur Diskussion mit den Lehrpersonen gegeben wurde“. Hm?
von Anton Rainer | Redakteur im Ressort Wirtschaft beim Spiegel in Hamburg
Ein Vorschlag zur Güte, bevor Südtirols Lobbyisten nun die Elternsprechtage belagern: Guidiceandrea darf von mir aus bei den Schulen mitreden. Aber bevor seine Firma den nächsten Holzscanner entwickelt, muss darüber im Gegenzug ein ähnlich kompetentes Gremium beraten: Ein Arbeitskreis von Kunst-, Reli- und Lateinlehrern. Alles andere wäre unfair.