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Hass ist keine Meinung: Die Angst des fratello vor dem Regenbogen
5. Jul 2023 | ff 27/2023

Man kann sich heutzutage über einiges aufregen: die Wohnungspreise, die niedrigen Löhne oder die immer offensichtlichere Zwei-Klassen-Medizin. Marco Galateo, dem Landtagsabgeordneten der Fratelli d’Italia, ist das alles zu banal, er echauffiert sich lieber über die Regenbogenfahne. Die hat der NOI Techpark anlässlich des Pride Monats vor seinen Toren gehisst. Im Juni wird weltweit verstärkt auf die Rechte der LGBTQ-Community aufmerksam gemacht, und so will sich auch der NoiTechpark „um eine Welt bemühen, in der jede und jeder authentisch leben kann, ohne Angst vor Ablehnung oder Diskriminierung“, wie er auf seiner Facebook-Seite erklärt.

Toleranz und Vielfalt? Geht gar nicht, findet Galateo und will in einer Landtagsanfrage wissen, wieso die Flagge da hängt, ob dafür Steuergelder verbraucht worden seien und ob dieses „simbolo divisivo“ womöglich an anderen öffentlichen Gebäuden in Südtirol ausgehängt wurde, Gott bewahre.

Er hat natürlich recht, die Regenbogenflagge, so lustig bunt sie auch flattert, zum Beispiel ganz selbstverständlich vor dem Tiroler Landtag in Innsbruck, trennt unsere Gesellschaft. Und zwar die homophoben, verstockten Geister von den aufgeschlossenen – wobei ich überzeugt bin, dass Letztere in der Mehrheit sind.

Wie fragil, wie brüchig kann eine Identität sein, die sich davon bedroht fühlt, dass man Menschen lieben lässt, wen sie lieben wollen? Wie traurig muss die eigene Existenz sein, wenn man sich an einem „Love is Love“-Schriftzug stört? Aber klar: Liebe ist Liebe, und Hass bleibt Hass. Ich hoffe, dass der Landeshauptmann sich dessen bewusst ist, wenn er demnächst die bornierte Anfrage beantworten muss, und nicht daran festhält, dass das eben die Meinung des Herrn Galateo sei, wie in einem Interview geäußert. Hass ist keine Meinung, ebenso wenig wie Homophobie.

von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin