Pater Noster
Titelgeschichte in ff 22/26 über einen Mönch und die Zukunft von Kloster Säben
In Säben wohnt seit rund zwei Jahren ein einziger Mönch in einer Immobilie, in der zur Blütezeit mehr als 100 Personen wohnten. Die katholischen Bewegungen, Männer (KMB), Frauen (KFB), Jugend (SKJ) und Jungschar (KJS) haben zusammen mit anderen katholischen Vereinigungen bereits seit vier Jahren Vorschläge erarbeitet, um das Kloster wieder voll zum Leben zu erwecken.
So könnte für den Orden ein abgegrenzter Wohnbereich reserviert und die restliche riesige Klosterimmobilie neu geplant und zu einem Kraftort ausgebaut werden: Pilgerherberge, Exerzitien, Treffen zur Firmvorbereitung, Schulklassen, Rückzugsort für Menschen, die Ruhe und Kraft suchen, Priester, die in Säben wohnen und mitwirken, Museum über das Kloster und das Leben darin. Auch Familien erklärten sich bereit, in Säben zu wohnen und die Tätigkeiten mitzugestalten und umzusetzen.
Vielleicht wäre es sogar möglich, Klosterfrauen wieder dafür zu gewinnen, in Säben einzuziehen. Schon die Diözesansynode von vor zehn Jahren hat beschlossen, in Zusammenarbeit zwischen einem Orden und den katholischen Bewegungen einen Kraftort zu errichten.
Der geplante Aufzug führt nur zur Liebfrauenkirche, würde den „Heiligen Berg“ entweihen und einen Hotspot für Turbotouristen entstehen lassen, ohne Mehrwert für Klausen. Sinnvoller wäre es, die Straße über Pardell zu verbessern und eventuell einen Shuttle-Kleinbus einzurichten. Diese Lösung wäre sicherlich sehr viel kostengünstiger als die geplanten 27 Millionen Euro, und es wären somit mehr Landesmittel verfügbar, um das Kloster so herzurichten, dass es belebt und für viele nützliche Vorhaben genutzt werden könnte.
Neue Hoffnung für die baldige Umsetzung dieser Ideen schöpfe ich aus der Aussage des Bischofs in Klausen: „Nichts tun geht nicht!“
Günther Beghella, Bozen
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Die schleichende Banalisierung historischer Architektur unter dem Vorwand innovativer Maßnahmen zur Aufwertung und Modernisierung alten Gemäuers hat das Kloster Marienberg schon ergriffen, und sie wird auch Säben bald erreichen, gleich neben dem erfolgreich werdenden Event-Magneten Brixner Hofgarten.
Was es heißt, auf wertvolle Substanz und Geschichte einzugehen, diese zu erkennen und zu schätzen, ihr zu folgen, darauf aufzubauen, abseits von jedem spekulativen und modischen Hype, kann bei Carlo Scarpa studiert werden. Dort sollten sich unsere Oberarchitekten und Gartenkapitäne eine Scheibe abschneiden.
Erich Kofler, Fuchsberg
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„Das laugt alle aus“
Barbara Plagg über Familien, Mütter und Rollenbilder, Interview in ff 22/26
Zumindest für die Zeit, in der die Frauen aus finanziellen Renten-Gründen zur Annahme von einem Arbeitsverhältnis gezwungen werden, sollte der Ganzjahres-Kindergarten angeboten werden. Auf die Frauen kommt trotzdem noch mehr als genug Care-Arbeit zu, bis die Kinder ausziehen. Wann wagen sich die Politiker endlich an die rabiat am Schulkalender klebenden Kindergärtnerinnen heran, die kaum Unterrichtsvorbereitungen und keine Korrekturen vorzuweisen haben?
Josef Fulterer, Kastelruth
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Die Forderungen von Frau Plagg nach einem ganztägigen und ganzjährigen Betreuungsangebot von 0 bis 14 Jahren blendet die Bedürfnisse des Kindes völlig aus. Kinder sind keine Betreuungsfälle, die untergebracht werden müssen, damit die Wirtschaft läuft! Sie bringt nur die Probleme der Mütter aufs Tapet, nicht aber die Probleme der Kinder, welche ganztägig und ganzjährig fremdbetreut werden.
Die Entwicklungspsychologie ist sich einig, dass Kleinkinder bis zu drei Jahren eine verlässliche, stabile Beziehung zu wenigen Bezugspersonen brauchen und ein häufiger Wechsel oder zu viele Bezugspersonen Stress für das Kind bedeuten, wobei sich Verhaltensauffälligkeiten häufen.
Erziehungsarbeit ist eine große, herausfordernde und wunderschöne Aufgabe, an der Eltern und Kinder gemeinsam wachsen und reifen. Mit den Forderungen von Frau Plagg wird das Problem des „Ausgelaugtseins“ nur verschoben. Von einer zeitlich langen Fremdbetreuung kommen Kinder ausgelaugt, übermüdet und gereizt zurück. Dasselbe gilt für das Betreuungspersonal. Und wie geht es wohl der Mutter, welche nun ganztags arbeitet und welche jetzt überreizte Kinder übernimmt?
Frau Plagg stört sich am Begriff „Totalbetreuung“ von Rai Südtirol. Aber genau das ist die richtige Zustandsbeschreibung: total familienfern, total durchgetaktet, total am Kind vorbei.
Sie fordert die Solidarität der Mütter für ein Konzept, das völlig gegen den naturgegebenen Mutterinstinkt läuft. Ein Land rettet man nicht, indem man den Kindern die Kindheit stiehlt und es dann „Fortschritt“ nennt.
Johanna Innerhofer, Riffian
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Kein weiter so
ff23/26 über die Verkehrsdemo am Brenner
Es geht bei der Brennerautobahndebatte nicht darum, wie SVP-Europaparlamentarier Herbert Dorfmann meint, dass die Menschen „die Schnauze voll haben“. Die Menschen, die in den Tälern entlang der Autobahn leben, wollen wegen der gesundheitsschädlichen Luftschadstoff- und Lärmbelastung nicht an Gesundheit und Lebensjahren einbüßen, schon gar nicht nur wegen wirtschaftlicher Gewinnmaximierung und Dumping-Maut auf der Brennerroute.
Luftschadstoffe aus Straßenverkehr sowie Lärm durch Straßen- und Zugverkehr machen krank und führen zu einem vorzeitigen Tod. Das ist südlich des Brenners nicht anders als in Nordtirol. In Brixen sind die Feinstaubwerte auch fern der Autobahn (von den Wohngebieten, Kinderspielplätzen und Schulen in unmittelbarer Nähe zur Autobahn gibt es keine Messwerte) oft auf oder sogar über Großstadtniveau wie in Mailand, Rom oder Tokyo.
Eine „variable Maut“, wie sie Landesrat Alfreider und Bayerns Verkehrsminister vorschlagen, reduziert den Autobahnverkehr nicht, sondern sorgt höchstens für eine kontinuierliche maximale Belastung durch Lärm und Luftschadstoffe. Die Bürgermeister im Nordtiroler Wipptal nehmen ihre BürgerInnen ernst und fordern, da bisher nicht gehört, mit einer achtstündigen Autobahnblockade und einem sachlichen Forderungskatalog, dass endlich völlig gerechtfertigte und konkrete Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit zeitnah umgesetzt werden und nicht alles – sogar die Gesundheit ihrer Bevölkerung – der Gewinnmaximierung geopfert wird.
Und in Südtirol schimpfen die Regierungsmehrheit und die Wirtschaft über diesen „Hilferuf“. Wenn die Südtiroler Wirtschaft und Tourismus durch eine nur achtstündige Autobahnsperre katastrophale Einbußen erfahren, dann müssen wir unser Wirtschafts- und Tourismus-Modell dringend umbauen.
Elisabeth Fulterer, Kinderärztin und Team-K-Gemeinderätin, Brixen
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Neustart unter Druck
Interview in ff21/26 mit Ruth Oberrauch, neue Präsidentin von Oberalp
Ruth Oberrauch, die neue Präsidentin der Oberalp-Gruppe muss eine Altlast von 30 Millionen Euro übernehmen, weil ihr Vater dieses Geld der Sabes in einer Notlage in der Covid-Zeit für den Ankauf von Schutzmaterial aus China vorgestreckt hat. In der Zwischenzeit ist klar geworden, dass sämtliche Vermutungen, man hätte hier Gewinne scheffeln wollen, haltlos sind. Auch die SVP-Leitung ließ öffentlich wissen, dass sie diese Aktion als klare Hilfsaktion eines Unternehmers einstuft und deshalb das geliehene Geld zurückzuzahlen ist.
In einer Notsituation, deren Ausmaße und Folgen zum damaligen Zeitpunkt niemand abzuschätzen wusste – weder die Politik noch die Wissenschaft –, agierte die Firma Oberrauch couragiert und pragmatisch. Es ist zu hoffen, dass nun in derselben Weise eine Lösung gefunden und ein Schlussstrich unter dieses Kapitel gezogen werden kann.
Toni Schenk, Olang
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Am Ende
Über die Verlogenheit der Politik
Eine Gesellschaft, die es nicht schafft, das Geschehen der Jahre 2020 bis 2022/23 aufzuarbeiten, wird für alles Folgende der nächsten Jahre in jedem Bereich unglaubwürdig. Das bedeutet Verlust an Kompetenzen, Menschlichkeit, Wohlwollen, Orientierung und Vertrauen.
Den gleichen Politikern, die diese Zeit beeinflusst haben, wird wieder vertraut. Die meisten (nicht alle!) arbeiten doch vordergründig nur für Parteigelder und Lobbys im Hintergrund. Die Leute scheinen das wohl vergessen zu haben und jammern über gesellschaftliche und politische Zuständen.
Das Drehbuch weltweit scheint dasselbe zu sein, egal ob es um Themen wie Ausländer, Gesundheit, Inflation oder Löhne geht. Sind diese Zustände voneinander unabhängig? Wer das glaubt, mit all den Kriegen, hat das weltweite System (in dem sich auch Südtirol befindet) nicht verstanden. Genauso wie jene, die an ihren Einfluss durch ihre Stimme bei einer Wahl glauben.
Zusammengefasst kann man sagen: Alle, die heute beruflich und gesellschaftlich Erfolge feiern, die auf unmenschliche Werte aufbauen, haben Einfluss; es gibt einen weltweiten Dominoeffekt. Denn diese sogenannten Erfolge bleiben nie nur „privat“.
Gier, Egoismus und das daraus entstehende Leid sind unentschuldbar, sie gefährden das Überleben der Menschheit. Daher muss ein neues System aufgebaut werden. Das alte ist am Ende.
Sieglinde Steinhauser, Prettau
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Ohne Plan und Kundschaft
ff 22/26 über die hochfliegenden Wasserstoffvisionen der Landesregierung
Wir haben eine Tankstelle gebaut, die bald schon pleitegehen wird. Wir haben ein schönes Feld verbaut, um eine unnütze Tankstelle zu bauen. Wir haben Natur zubetoniert, für nichts Sinnvolles. Wir haben aufs falsche Pferd gesetzt, dafür Steuergelder beim Fenster rausgeschmissen.
Warum sind wir so dumm? Warum haben wir Politiker und hohe Beamte, die keine Ahnung von Energie, von physikalischen Gesetzen und Wirtschaft haben? Fachleute haben schon vor zehn Jahren erklärt, dass Wasserstoff für Pkw, Lkw und Busse keine Zukunft haben wird. Aber wir haben einen ausrangierten Amtsdirektor und willfährige SVP-Politiker, die unsere Gelder für Unnützes verbraten.
Bernhard Hilber, Bruneck
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