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Schule: Die Dosis macht das Gift
14. Jun 2023 | ff 24/2023

Ich unterrichte eigentlich gerne. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich mir dummerweise ein Studium ausgesucht habe, das in keine der Wettbewerbsklassen (mehr) fällt, die zum Eintritt in die Rangordnung und damit zur Hoffnung auf den für viele heiß begehrten „Posto fisso“ berechtigen. So suppliere ich vor mich hin, mal als Englisch-Aushilfe, mal als Deutsch- (juchu!) und Geschichte-(würg!)-Dozentin, zwischendurch auch Integration und am liebsten für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.

Dabei halte ich mich aber schon seit geraumer Zeit an eine eiserne Regel: nie länger als ein Jahr Unterricht am Stück. Nach einem Jahr brauche ich eine Auszeit vom Schulalltag. Von der Lehrerbubble, dem vielen Lärm (um nichts), der Bürokratie, der Verantwortung, den Korrekturen um Mitternacht, dem leeren Gefasel von Inklusion. Eine Pause von den ganzen Akronymen, mit denen in nicht enden wollenden Sitzungen um sich geschmissen wird, eine Zeit ohne „Darf ich Toilette?“ oder „Du hast’s ja fein, den ganzen Sommer frei!“, ohne Kinderkrankheiten, von denen man gar nicht glaubte, dass man sie überhaupt noch kriegen kann, eine Zeit ohne Elternsprechtage und seltsame Ausdünstungen im Klassenzimmer (wahlweise Schweiß oder billiges Deo, seit Corona auch Desinfektionsmittel).

Gerade weil ich „nur“ Supplentin bin, nehme ich mir die Freiheit, mich von meinem diesjährigen Unterrichtsjahr mindestens genauso lange zu erholen, anderen Tätigkeiten nachzugehen, Neues auszuprobieren und, ja: mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen. Während ich all die oben genannten Dinge hinter mir lasse, nehme ich nämlich etwas ganz Besonderes in die Sommerferien mit: die Freude darüber, in einer Handvoll junger Menschen Interesse, Freude und Neugier auf die Welt entfacht zu haben.

von Bettina Conci | Schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Kindgerechtes und Kontroverses