Alles über Lebensmittel
Südtirol Panorama 1/26 über die Leute, die uns ernähren
Guter Journalismus sollte bekanntlich einordnen, vergleichen, hinterfragen. Wenn also Konsumentenbefragungen zitiert werden, nach denen die Zahlungsbereitschaft für lokale Produkte höher wäre, so sollte man dazusagen, dass derartige Antworten einer Reihe von „Verzerrungen“ unterliegen. Und selten dem tatsächlichen Konsumverhalten entsprechen, das sich an der Kasse im Laden zeigt, wo der Preis eine bedeutende Rolle spielt. So führt man nicht nur Leser in die Irre, sondern stützt auch falsche Entscheidungen.
Wenn über die Südtiroler Exporte geschrieben wird, sollten diese zum Beispiel mit anderen geeigneten Regionen verglichen werden; dann würde man unter anderem feststellen, dass die Exportquote bei uns unter dem italienischen – und dem Durchschnitt vieler Nachbarregionen in Nord und Süd liegt. Dies gilt übrigens auch für das unzweifelhaft große Problem Braindrain; jede Menge Artikel, trotzdem scheint niemand genau zu schauen, wie das ist und was man dagegen in vergleichbaren Regionen anderswo macht. Etwa in Tirol, im Trentino, in Oberbayern oder in Salzburg. Dabei könnte man erkennen, was hausgemacht ist – und was zu tun wäre.
Aber ich versteh schon: Unser Nabel ist so schön und groß – und unvergleichbar sind wir sowieso!
Franz J. Mitterrutzner, Bozen
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Aus offenem Fenster
Außensicht von Florian Kronbichler in ff 21/26 über Respekt für diejenigen, die sich für den Frieden starkmachen
Für den Frieden zu sein, ist sehr positiv, und wenn es gelingt, auch ganz im eigenen Interesse: Es ist jedoch wohl offensichtlich, dass es Frieden nur entweder dann gibt, wenn alle dafür sind, aus einer Position entsprechender Stärke, wenn man diesen will, oder unter dem Schutz einer starken friedlichen Macht.
Martin Dissertori, Eppan
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Knappe Geschichte
„Panorama“-Meldung in ff 22/26 über zwei Gesetzentwürfe zur Direkten Demokratie
Eigentlich tun die Politiker schon lange so, als wären sie an unserer Mitsprache und Beteiligung interessiert. Vielleicht meinen sie wirklich, wir kaufen es ihnen noch ab. Auffallend ist jedenfalls, dass es in Südtirol schon lange keine Volksentscheide mehr gibt. Selbst in den Gemeinden rührt sich nichts mehr. Alle glücklich und zufrieden? Keine Vorschläge, keine Initiativen mehr von der Bevölkerung. Dennoch oder womöglich gerade deswegen zeigt sich ringsum Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit, wenn man auf die Landespolitik zu sprechen kommt.
Nun heißt es wieder einmal, der Südtiroler Landtag wolle im Juni über Mitspracherechte und direkte Demokratie beraten. Das bestehende Landesgesetz funktioniere nicht und müsse überarbeitet werden. Aber wer, bitte schön, hat es denn so gewollt und gemacht? Nach all dem Hin und Her kommen Zweifel auf. Entweder manche Politiker sind nicht fachkompetent oder sie haben die Regelung absichtlich zur Verhinderung von Bürgerbeteiligung maßgeschneidert. Man kann die Leute einmal, zweimal täuschen, aber nicht andauernd. Nun bin ich gespannt, was bei der nächsten Landtagssitzung herauskommt!
Eva Prantl, Kastelbell-Tschars
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Alle paar Jahre ins Wahllokal zu gehen, ist eine bewährte Form der Demokratie. Doch lebendige Demokratie braucht mehr – davon war zum Beispiel auch Hannah Arendt überzeugt. Die Gefahr einer rein repräsentativen Demokratie besteht nämlich darin, dass Wählerinnen und Wähler sich nicht mehr verantwortlich fühlen für politische Entscheidungen und Politik zu einer Dienstleistung wird, ausgeführt von ein paar Figuren „da oben“ (oder „da unten in Bozen“, aus einer typisch Südtiroler Sicht). So entsteht ein Rollenverständnis, nach dem Politik gefälligst liefern soll … und wehe, wenn nicht zugunsten meiner privaten Interessen!
Wäre also schön, wenn sich in den Juni-Sitzungen des Landtages eine Mehrheit dafür fände, die schon existierenden Formen der direkten Demokratie auch wirklich umsetzbar zu machen. Nicht weil ein ominöser Volkswille immer recht hätte oder weil den Regierungen grundsätzlich nie zu trauen wäre. Es geht darum, Wahlberechtigte aus einer Haltung des Politik-Konsums herauszuholen. Denn diese Haltung könnte noch fatal werden für die Zukunft der Demokratie.
Georg Siller, Algund
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„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, dies war der Ruf des geknechteten Volkes nach Demokratie vor mehr als 200 Jahren. Es verlangte, das eigene sozialpolitische Geschick mitbestimmen zu dürfen. 1945, nach der Befreiung von Faschismus und Nationalsozialismus, erwachte auch in Südtirol das Verlangen nach „Selbstbestimmung“. Einigen beherzten Menschen gelang es mit Mühen und viel diplomatischem Geschick, solch Ideologie in die neumögliche Politik einzubinden. Eine Denkart und Gesinnung, über Jahrzehnte praktiziert, von politischen Kontrahenten auch akzeptiert.
Letzthin jedoch, so zeigt sich’s, werden erreichte Privilegien von einigen Landesregenten dreist missbraucht. Ist die heutige politische Freiheit jene, die sich Volksvertreter anmaßen über die Belange der Menschen hinweg, herrisch bestimmen zu dürfen, bloß des Machtgehabens wegen? Ist die Brüderlichkeit diese, die manch Landesregent seiner Wählerschaft mit biblischen „Silberlings-Küssen“ honoriert? Verstehen einige Landesregenten den Begriff „Gleichheit“ als: „Allen gleich viel, nur uns ein bisschen mehr“?
Wer sich als Kommunalpolitiker nicht scheut, Unrichtigkeit zu (!) dekretieren, um Vorteile zu erlangen, wird auch als Mitglied der Landesverwaltung keine Skrupel haben, sich solche – wie auch immer – zu sichern. Bleibt zu hoffen, dass sich im Vokabular der zu erwartenden KI-Politik der Begriff „Gier“ nicht findet.
Werner Rizzi Ladinser, Brixen
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Hirnbaum für Heller
Zum Cartoon von HPD in ff 21/26, in dem zu lesen steht, einen Hirnbaum
habe es in Südtirol noch nie gegeben