Duckmäusertum und nicht vorhandene Zivilcourage sind besorgniserregende Phänomene, die sich durch die gesamte Gesellschaft in Südtirol ziehen. Fehlende Zivilcourage ist mittlerweile, wie ein Rai-Südtirol-Interview zeigt, auch bei Lehrpersonen zu beobachten, die an sich ja ihren Schülern den Wert der Meinungsfreiheit lehren sollten.
Wenn Lehrpersonen schulische Dysfunktionen nur anonym an die Öffentlichkeit bringen, aus Angst vor Repressalien, dann stimmt vieles nicht mehr. Es ist alarmierend zu beobachten, dass sich Pädagoginnen und Pädagogen aus Angst vor möglichen Konsequenzen nur anonym mit ihren Problemen an die Öffentlichkeit wenden.
Duckmäusertum und Mangel an Zivilcourage in der Gesellschaft stehen im Widerspruch zu einer aktiven Demokratie und einem freien Meinungsaustausch. Es ist bedauerlich, dass in einer Zeit, in der wir – nötiger denn je – unsere Stimme erheben sollten, um Missstände anzuprangern und Veränderungen herbeizuführen, viele Menschen lieber schweigen oder sich nur trauen, ihre Meinung anonym zu äußern.
Besonders besorgniserregend ist, dass das Fehlen an Zivilcourage jetzt auch im Bildungssystem in erschreckender Weise zu Tage tritt. Lehrpersonen, die täglich die junge Generation auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten sollten, haben Angst, mit dem eigenen Namen für ihre Sache einzutreten.
Diese Angst kann verschiedene Ursachen haben: die Sorge um den Arbeitsplatz, Repressalien seitens der Schulleitung oder der Kolleginnen und Kollegen oder die Befürchtung, dass ihre Anliegen nicht ernst genommen werden. Eine solche Situation ist äußerst bedenklich und unverständlich, zumal wir ja noch in einer Demokratie leben. Lehrpersonen sollten das Vertrauen haben, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.
Es ist von großer Bedeutung, dass die Verantwortlichen für Bildung in dieser Provinz und die Gesellschaft in Südtirol als Ganzes ein Umfeld schaffen, in dem Lehrpersonen ihre Anliegen offen und ohne Angst vor Repressalien ansprechen können. Nur durch eine offene Kommunikation und den Mut, Missstände anzusprechen, können positive Veränderungen herbeigeführt werden, die jedenfalls in Südtirol nur allzu nötig sind.
Die Entwicklung einer starken und mutigen Gesellschaft erfordert die Zivilcourage eines jeden Einzelnen. Ansonsten laufen wir Gefahr eine Gesellschaft von reinen Abnickern und Ja-Sagern zu werden.
Florian Leimgruber, Sand in Taufers
