Am Samstag wird Südtirol von der Welt abgeschnitten sein. Wir werden bestimmt Hunger leiden. Die Industrie wird stillstehen, obwohl Samstag ist. Die Hotels werden leer sein. So sehen es die Kritiker der Protestaktion auf der Autobahn bei den Nachbarn im Norden Tirols. Sie wird den Verkehr am 30. Mai für einen Tag blockieren.
Der Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, hat eine Demo auf der A13 beantragt. Und die Bezirkshauptmannschaft von Innsbruck hat die Demo erlaubt, nach dem positiven Entscheid eines Gerichts. Sie betrachten die Demonstrationsfreiheit offensichtlich als hohes Gut.
In Südtirol wird deswegen von der Wirtschaft Katastrophenstimmung verbreitet, von den Frächtern, von der Handelskammer, dem Landesverband der Handwerker. Das ist völlig übertrieben. Denn frühere Blockaden zeigen: Es passiert nichts. Die Leute, die an diesem Tag verreisen wollen, fahren früher oder später los oder umfahren die Brennerroute. Und wenn wir nicht genug Vorräte für einen Tag haben, sind wir sowieso arm dran. Dann ist etwas falsch gelaufen.
Proteste, Demos, Streiks, so haben es die Lehrpersonen in Südtirol vorgemacht, wirken nur, wenn sie Folgen haben oder wenigstens viel Aufmerksamkeit erzeugen.
Es wird ein schöner Tag werden. Wenig Verkehr, Sonne, Menschen, die sich treffen, spazieren gehen auf der Autobahn. Und ja, es ist eine Demo, die auch der Selbstdarstellung des Bürgermeisters von Gries am Brenner dient. Aber ist sie deswegen falsch? Ein wenig seltsam mutet es an, wenn historische Brennerblockierer und Transitgegner wie Fritz Gurgister Bürgermeister und Blockade scharf kritisieren.