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Platz da!?
Titelgeschichte in ff 18/23: Wohin führt der Tourismus? Gespräch mit einer Klasse des Sowi in Bruneck
ff media | 17. Mai 2023 | ff 20/2023

Beim Lesen der Titelgeschichte fällt auf, dass der gesellschaftspolitische Impuls nach den Klimaaktivisten wieder von der Jugend kommt. Entgegen der herrschenden Meinung fordert sie nicht ein Mehr, sondern ein Weniger, nämlich eine Beschränkung des Massentourismus. Der politische Vertreter der angesprochenen Wirtschaftslobby, -Helmut Tauber, stellt sich der -Diskussion in der Klasse 2aS des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums Bruneck, sieht aber dabei mit seinen -Argumenten neben den jungen Menschen ziemlich alt aus. Seine Positionen sind leicht zu widerlegen:

These 1: Das Land ist so schön – um es wirklich genießen zu können, braucht es billige Infrastrukturen wie Skilifte und Aufstiegsanlagen, die durch die Einnahmen aus dem Tourismus bezahlt werden. Billig Ski fahren wollten schließlich auch die Südtirolerinnen. Woher weiß Herr Tauber das so genau? Natur wird erst teuer, wenn sie jemand vermarkten will/muss. -Jugendliche suchen längst nicht mehr überfüllte Skipisten, sondern abgelegene Berghänge und einsame -Gipfel für ihren Freizeitsport.

These 2: Von der Vielfalt der Gasthäuser. Dagegen -sprechen Erfahrungen, zuletzt am 25. April im Heimatdorf Taubers, Feldthurns. Mittagessen während einer Wanderung ist nicht möglich aufgrund drei geschlossener Spitzenrestaurants.

These 3: Der Tourismus bringt Wohlstand, Arbeit und Freizeitmöglichkeit. Wie -definieren Herr -Tauber und die Touristiker des Landes Wohlstand, es wäre doch besser von materiellem Wohlstand zu sprechen, denn Südtirol liegt trotz des materiellen Wohlstandes italienweit an der Spitze der Suchterkrankungen und Suizide. Den Arbeitskräftemangel gedenkt Herr Tauber mit den üblichen Anreizen „Platz zum Schlafen, Essen, Bezahlung über Tarif“ auszugleichen. Reicht das für angemessene Lebensqualität für die meist ausländischen Arbeitskräfte?

These 4: Niemand wird sich bei seinen Freizeitwünschen einschränken lassen, auch der Tourist nicht, also gilt es, dem Kunden entgegenzukommen, denn er reist an, wann er will. Dagegen spricht: Schwindende natürliche Ressourcen und Klimawandel sehen Experten als derart radikale Bedrohung für das Überleben der Menschen an, dass „Wünsche von Kunden“ ebenso wie „umweltschädliches Alltagsverhalten“ von Konsumentinnen durch politische Maßnahmen eingeschränkt werden müssen. These 5: „Der Kampf von Groß und Klein findet in der Wirtschaft immer statt.“ Mit dieser Aussage verrät Herr Tauber letztlich, dass das Dogma vom ewigen Kampf nicht hinterfragt wird, Konkurrenz und Macht-streben, das ist das Credo der Wirtschaftstreibenden, der Kampf geht also weiter, um jeden einzelnen Absatzmarkt, jede Touristin, aber leider auch gegen die Jugend und ihre Zukunft!

Barbara Fuchs, Brixen