Was mich immer wieder wundert, ist ja die Naivität, mit der wir uns einreden (lassen), die heißbegehrten Touristen, die unser schönes Landl heim-, pardon, aufsuchen, wären allesamt Bildungsbürger aus den höheren Schichten, kinderlos und anspruchsvoll, die Louis-Vuitton-Bagage im Kofferraum des Mercedes AMG und die Spendierhosen locker an der Hüfte sitzend, auf der Suche nach Maledivenfeeling in den Mountains und diesem stoischen Südtiroler Servilismus, der mittlerweile sowas wie unser Markenzeichen im Ausland ist (Zertifizierung by IDM steht noch aus).
Dabei ist die harte Realität doch die, dass Herr und Frau Durchschnittssüdtiroler, wenn sie denn auf den verstopften Straßen mal weiter als 20 Kilometer kommen (sofern man den Familienausflug nicht allein unternimmt, zahlen sich die überteuerten Öffis ohne Gästekarte nicht mehr aus), kein normales Gasthaus mehr finden, um einen Teller Nudeln zu essen.
Stattdessen gibt es Gourmet-Tempel und Nobel-Almhütten, die an das oben beschriebene Idealbild unserer Gäste catern, aber letztendlich doch mürrische schwäbische Durchschnittsverdiener bewirten, die schwarzen von weißem Trüffel nicht unterscheiden können und wohl auch lieber ein Paprikaschnitzel mit Reis und gemischtem Salat für unter zehn Euro aufgetischt bekämen, bevor sie in ihren Opel Astra steigen und sich auf die Weiterfahrt Richtung Gardameer machen, Zwischenstopp am Lago di Caldaro mit mitgebrachter Jausenbox inklusive.
Weiter südlich ist es ja nochmal authentischer, das Dolce Vita, die Parkplätze kosten in Malcesine weniger als am Pragser Wildsee, das Fischrestaurant bietet „All you can eat“ und im Ortskern macht kein doofes mittelalterliches Kopfsteinpflaster die Plastikrollen des Lidl-Koffers kaputt.
von Bettina Conci | Schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Kindgerechtes und Kontroverses