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Sechserkommission: Geht nicht geht
19. Apr 2023 | ff 16/2023

Geht nicht, gibt’s nicht! Freunde, die sich bei ihrem Handwerk sicherer fühlen als mit ihrem Mundwerk, bitten mich gelegentlich um eine „Wortspende“. Gemeint sind zum Beispiel Gedanken für die Rede bei einer Betriebsfeier. „Dir fällt schon etwas ein“, sagen sie. Nur um eines bitten sie fast immer. Der Sager „Geht nicht, gibt’s nicht“, der sollte halt drin sein. Sie finden den so unwiderstehlich motivierend, Mut machend, letztes-Aufgebot-mäßig. Der Apotheker vom Malser Weg schließt seine wöchentliche Freitag-Epistel seit zehn Jahren mit dem Aufruf „Net lugg lassn!“, was das Gleiche ist. Gemma!

Geht nicht, gibt’s nicht, sagt sich auch die SVP. Sie versteht die Redensart aber nicht als Aufruf, sondern als Ausrede. Ihr ist wurscht, was nicht geht, geht eh alles. Auch was nicht gehen darf, geht.

Ein Alessandro Urzì Präsident der Sechserkommission? Der Urzì! Ein erklärter Faschist (erklärt von der Volkspartei), ausgewiesener Autonomie-Feind (ausgewiesen von der Volkspartei), so einer? Der Sechserkommission! Des politischen Hinterstübls, der Geheimloge, in dem die Durchführungsbestimmungen zum Landesstatut ausgepascht werden. Das Allerheiligste des Autonomietempels. Mit Stimmenthaltung („wohlwollender“, wohlgemerkt!) küren die SVP-Mander den Un-Autonomisten von bisher zu ihrem künftigen Hauptzelebranten. Warum nicht? Geht nicht, ist Gerede, gibt’s nicht, ist die Tat.

Die Volkspartei ist nicht blöd. Urzì wird ein guter Kommissionspräsident sein. Roberto Bizzo, der PD-Landtagsabgeordnete von einst, der selber einmal Kommissionsmitglied war, sagt, „der beste, den die SVP sich vorstellen kann“. Er kennt sich aus. Urzì wird allen Ehrgeiz aufwenden, der Volkspartei zu beweisen, dass er nicht ist, wie und was er ist. Wie die Lega-Räte in der Landesregierung wird er sein: untertänig bis zur Selbstverleugnung. Und sich entschuldigen, da zu sein, und Italiener zu sein, und überhaupt.

von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff