Die Nachricht sorgte für Blätterrauschen in den Klatschspalten: Liebes-Comeback bei Richard Lugner! Der österreichische Baulöwe hat wieder mit seiner Ex zusammengefunden, die fast ein halbes Jahrhundert jünger als er ist und unter dem putzigen Kosenamen „Bienchen“ firmiert. Und zu firmieren hat sie demnächst einiges, soll sie doch demnächst laut ihrem Gönner führende Funktionen in seinem Einkaufszentrum Lugner City übernehmen. Da lässt sich „Mörtel“ nicht lumpen, diesmal soll sie ja bleiben und nicht wieder weiterflattern, seine Biene (die sich den bescheuerten Tiernamen zu Recht in Gold aufwiegen lässt – zur Erinnerung: Lugners Ex-Frauen kannte man unter den Spitznamen Mausi, Bambi, Katzi, Spatzi und Goldfisch).
Mit seiner Liebesgeschichte liegt das ungleiche Paar voll im Trend. Während andere Senioren mit Altersdiabetes zu kämpfen haben, betreibt Lugner lieber „Sugardating“: ein Konzept, das die romantische Verbandelung eines wesentlich älteren, finanziell wohlhabenden und großzügigen Partners mit einem jungen, finanziell unselbstständigen, gutaussehenden sogenannten Gegenpart vorsieht. Also eine Beziehung mit materiellen Vorteilen für das „Sugarbabe“ und der Illusion des Geliebtwerdens für den Älteren (oder die Ältere). Der Liebestrend 2024 ist ein Geschäftsmodell. Und zwar eines, das unter verschiedenen anderen Bezeichnungen wohl zu einem der ältesten der Welt gehört.
An und für sich ist das alles auch kein Problem. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Problematisch ist die Tatsache, dass die Frauen, die sich diesem Trend verschrieben haben, sich doch tatsächlich als Feministinnen bezeichnen. Weil sie ja selbstbestimmt und ganz abgeklärt sind, sagen sie. Weil sie den Spieß umdrehen und davon profitieren. Weil die Emanzipation in ihren Augen gescheitert ist: Frauen verdienen immer noch bedeutend weniger als Männer, tragen die Hauptlast der unbezahlten Care-Arbeit und sind häufiger Opfer von Gewalt.
Und ich frage mich, wo wir die Ausfahrt verpasst und uns vom Patriarchat dermaßen ins Hirn kacken lassen haben.
von Bettina Conci | Schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Kindgerechtes und Kontroverses