Man möchte meinen, die Politik hätte in den vergangenen Wochen genug über die Ansiedlung gefährlicher Lebewesen gelernt. „Nicht jeder Bär ist ein Teddy“, zum Beispiel, oder „Nicht jeder Tierschützer ist ein guter Risikomanager“. Stattdessen öffnen wir der nächsten bedrohlichen Spezies schon Tür und Tor. Eine Pilotgemeinde sei gefunden, berichtet Rai Südtirol, die Ansiedlung nur eine Frage der Zeit. Man träume von einem „Trampolineffekt für den Tourismus“, schreiben die Athesia-Medien. Und niemand denkt daran, das Territorium des Raubtiers einzugrenzen. Keine Zäune, keine Leine: Projekt „Life Elon“ ist eine tickende Zeitbombe.
Nun wäre eine Ansiedlung des Exemplars Musk in St. Kassian/Abtei für sich genommen noch kein Skandal: Die Gattung „Milliardarius insanus“ ist selten geworden, sie braucht besonderen Schutz. Und die Kolonisation einer Gemeinde ist besser als die Kolonisation eines fremden Planeten. Nach dem Bär der Milliardär. Doch die wahren Konsequenzen ökologischer Schocks zeigen sich in der Regel erst Jahre später. Was brächte Musk ins neue Habitat?
Nur Gutes, glaubt der Bürgermeister von Abtei, der dem Raubtier schon mal den Forstweg planiert. Die Ankunft Musks „wäre für uns alle ein Traum“, sagt Giacomo Frenademetz dem Alto Adige, allein für den weltweiten „valore propagandistico“. Als der Bürgermeister von den Plänen hörte, sei er „aus allen Wolken“ gefallen, schreibt das Blatt. Vermutlich, um den Trampolineffekt zu testen.
Der Rest Südtirols wird lernen müssen, mit Milliardären zu leben. Entnahmen sind, selbst bei groben Auffälligkeiten, vorerst nicht erlaubt. Bei rascher Vermehrung (in seinem vorigen Territorium zeugte Musk zehn Welpen) empfiehlt sich größtmöglicher Abstand zum Penthouse – die Gattung braucht viel Platz. Gemeine Südtiroler, die dennoch überlegen, mitten im Milliardärs-Gehege eine Familie zu gründen, sollten nicht verzagen: Solange sie nur ein Autounternehmen gründen, eine Raumfahrtfirma leiten, ein soziales Netzwerk kaufen und zu den reichsten Menschen der Welt gehören, können sie sich auch in Zukunft eine eigene, kleine Immobilie in Südtirol leisten.
von Anton Rainer | Redakteur im Ressort
Wirtschaft beim Spiegel in Hamburg