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Leitartikel
Kein Halleluja!

Dauerkrise in der SVP:Man kennt das Kunststück aus dem Zirkus: Eine Frau wird in eine Kiste gesperrt und vor aller Augen in Stücke gesägt. Danach – oh Wunder! – steigt sie unversehrt aus der Box.

Ähnliches kann man seit Wochen in der Südtiroler Volkspartei beobachten. Auch dort wurden bestimmte -Protagonisten zunächst politisch gevierteilt, um wenig später vor dem längst nicht mehr staunenden Publikum in selber Rolle wieder aufzutreten.

Vor über zwei Wochen hatten Parteiobmann und Landeshauptmann gemeinsam den Rücktritt von vier ranghohen SVP-Herren gefordert. Passiert ist seitdem nicht viel, mit Fraktionssprecher Gert Lanz hat der erste der vier entnervt hingeschmissen. Ein Ende vom Chaos ist aber nicht in Sicht. Auch zu Ostern ist unterm Edelweiß längst nicht alles in Ordnung. Nach der Sitzung des Parteiausschusses Anfang dieser Woche wurde eine Mitteilung mit der österlichen Friedensbotschaft verschickt: Der Landeshauptmann werde dazu ermächtigt, die Landesregierung zu verkleinern. Und: Zwischen Obmann und Vizeobmann werde es ein weiteres Gespräch geben. Kurzum: Die Auferstehung der SVP samt Halleluja wird es wohl erst nach Ostern geben.

Bei Ostern, dem ältesten Fest der christlichen Geschichte, geht es um Hoffnung und Erlösung, um Aufstehen und Aufbrechen. Alles, was die Volkspartei zurzeit gut gebrauchen könnte. Denn die authentische Geschlossenheit von einst unterliegt einem Erosionsprozess. Das SVP-Mantra – sich unterhaken, zusammenhalten, sich wieder aufrappeln, es funktioniert nicht mehr.

Es sind jetzt völlig neue Wege zur Lösung der Krise notwendig. Mit der Verkleinerung der Landesregierung, mit dem Aussortieren einiger Köpfe wird es dieses Mal nicht getan sein. Dafür ist diese Krise zu gravierend, sie hat allzu deutlich aufgezeigt, welche politisch-wirtschaftlichen Verflechtungen und persönliche Animositäten es zwischen den SVPlern gibt. Die Partei braucht jetzt den Mut zu einer radikalen inneren Erneuerung. Alles andere wäre wieder die klassische Zirkusnummer. Nur dass die Partei irgendwann wirklich unterm Sägeblatt landet – und dort liegen bleibt.