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Betrug im Hotel: Der talentierte Don Alfonso
Anton Rainer | 3. Apr 2024 | ff 14/2024

Von den vielen Fragen, die ich an sehr reiche Menschen habe, liegt mir eine besonders am Herzen: Fragen sie sich manchmal, ob ihr Luxus „echt“ ist? Ob sich das Auto, das sie fahren, der weiße Trüffel, den sie löffeln, die Suite, in der sie schlafen, möglicherweise schon morgen früh in Luft auflösen könnte? Ein Chalet aus Papier, brennbar und vergänglich?

Ein Gespenst geht um in Südtirol, das Gespenst des Alfonso R. Seit Monaten geistert er als „Serien-Zechpreller“ durch die Zeitungen, weil er sich von Luxushotels wie eine Made im Speck durchfüttern lässt – und am Ende ebenso satt wie zahlungsunfähig wieder auscheckt. Die Polizei ermittelt, der HGV warnt, und der gequälte Quästor greift zu einer innovativen Methode: Er hat, so schreiben es die Reporter, dem Übeltäter unter anderem den „Besitz eines Mobiltelefons“ untersagt. Gut für Don Alfonso: Im Saunabereich sind Handys eh ungern gesehen.

Also macht er weiter, nahezu ungehindert, und ich kann mir nicht helfen: Je mehr Gemeinden den Schmalspur-DiCaprio („Wolf of Waldhotel“, „Etsch me if you can“) mit einem Aufenthaltsverbot belegen, desto größer wird meine Skepsis. War Alfonsos Reichtum wirklich so virtuell, wie seine Kritiker behaupten? Virtueller als der von Krypto-Millionären und René Benko? Und was ist eigentlich der Betrug an einem Fünf-Sterne-Hotel gegen dessen Eröffnung?

Ein Verbrechen, klar – aber eines, bei dem man die Zurechnungsfähigkeit aller Beteiligten prüfen sollte: Vielleicht ist es ja nicht nur der fiktive „Amazon-Manager“, der in einer Fantasiewelt lebt, sondern auch jener Hotelier, der bis zu 6.000 Euro für eine Übernachtung (Halbpension) verlangt. Vielleicht gibt es einen Grund dafür, dass Alfonso keine kleinen Pensionen betrügt, sondern Etablissements, in denen man sein Gesäß im Infinity-Pool wäscht und auf Kredit wellnesst. Und vielleicht, ja vielleicht, ist das beste Argument für einen Bettenstopp, dass ein Betrüger ein ganzes Jahr lang durch Südtiroler 5-Sterne-Hotels tingeln kann – und dabei immer noch neue Opfer findet.

von Anton Rainer | Stellvertretender Leiter des Ressorts Kultur beim Spiegel in Hamburg