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Sprache in Kinderbüchern: Die Bäh-Bücher
5. Apr 2023 | ff 14/2023

Nix mit woke: Der Streit über den Sprachgebrauch in Kinderbüchern ist keinesfalls so neu, wie man durch das Aufflammen der Diskussion um Roald Dahls Werke meinen möchte. Pippi Langstrumpfs Vater war 64 Jahre lang ein „Negerkönig“, bis ihn der Oetinger-Verlag 2009 zum „Südseekönig“ machte. Und vor zehn Jahren schon wurden aus Otfried Preußlers bezauberndem Buch „Die kleine Hexe“ die Begriffe „Chinesenmädchen“, „Türken“ und „Negerlein“ entfernt. So weit, so verständlich – Sprache und Gesellschaft wandeln sich ständig und diesem Umstand soll auch Rechnung getragen werden.

Neu ist, dass nicht mehr nur Rassismus und Vorurteilen fremden Kulturen gegenüber Einhalt geboten werden soll. Auch Genderstereotypen, Bodyshaming und überspitzt formulierte Beschreibungen von Figuren sind tunlichst zu vermeiden. Dabei müssen nicht nur Dicke, Zwerge und hässliche Figuren aus den Geschichten verschwinden (oder gefälligere Proportionen annehmen), nein, den Protagonistinnen und Protagonisten wird auch gleich die politisch korrekte Lektüre in die Hand gedrückt: Im Fall von Dahls „Matilda“ räumt der kolonialistische, rassistische, antisemitische, misogyne Kriegstreiber Kipling zugunsten von Jane Austen das Feld.

Spätestens hier lohnt sich für Fans der pädagogisch wertvollen Kinderliteratur und Sensibilisierung für den Zeitgeist die Überlegung, wo Political Correctness aufhört und Zensur anfängt. Und ob wir unseren Kindern nicht auch ein paar sprachliche Stolpersteine in den Weg legen sollten, damit sie selbst zum Nachdenken darüber angeregt werden, was denn nun richtig und was eher komisch klingt. Wir können Kindern nämlich fast immer mehr zumuten und zutrauen, als wir glauben.

von Bettina Conci | Schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Kindgerechtes und Kontroverses