Seit dem ersten „Experiment“ mit den fünf Bussen des EU-Chic-Projekts war klar, dass es ein Problem mit den Kosten für Wasserstoff gab, die vier- bis fünfmal so hoch sind wie bei herkömmlichen Kraftstoffen. Die H2-Tankstelle in Bruneck war ein altes Projekt, eine Idee des sog. Wasserstoffpapsts, und wird nun Staub ansetzen, da es keine Busse zu betanken gibt (kein lokaler ÖPNV-Betreiber verfügt über solche Busse, und es sind auch keine H2-Lkw im Umlauf).
Nur dank der Gelder aus dem PNRR wurden und werden die Tankstellen an der Brennerautobahn gebaut – mit sagenhaften Gesamtinvestitionen von bis zu 100 Millionen Euro. Sie werden ebenfalls verstauben, da sich die Serienproduktion von H2-Lkw weiter verzögert, wenn es gut läuft, vielleicht bis in die ersten Jahren des nächsten Jahrzehnts; das bedeutet aber, dass die Lkw extrem hohe Kraftstoffkosten haben werden, während die A22 seit 2007 bis heute nicht in der Lage war, die zwölf (Bio-)Methan-Tankstellen für Kraftfahrzeuge zu realisieren und bei vier, vielleicht fünf stehen geblieben ist.
Das Land selbst, das nie eine Ausstiegsstrategie aus dem Wasserstoffbereich hatte, hat stillschweigend einen Kurswechsel vollzogen. Im letzten Wirtschaftsplan hat die Sasa die Zahl der H2-Busse drastisch reduziert: 2031 werden nur noch 35 H2-Busse plus 25 batteriebetriebene Busse mit H2-Range-Extender im Einsatz sein – gegenüber 17 H2-Bussen plus zwölf Rex-Bussen, die heute zur Verfügung stehen.
Dass nun 20 Millionen Euro für die H2-Produktionsstätte von Sasa in der Nähe der Müllverbrennungsanlage in Bozen und weitere 5,3 Millionen Euro für die H2-Tankstelle im Busdepot Meran ausgegeben werden, lässt einem die Haare zu Berge stehen.
Ein weiterer Aspekt: Es wurde geschrieben, dass in Bozen „grüner Wasserstoff“ produziert wird, tatsächlich handelt es sich jedoch um „zertifizierten grünen Wasserstoff“, da der Strom aus dem allgemeinen Stromnetz stammt und nicht beispielsweise direkt aus einem Wasserkraftwerk. Andererseits ist derselbe „grüne Wasserstoff“ für die Bozner Busse heute „grüner Wasserstoff mit kompensierten CO2-Emissionen“, der aus Methan durch „Steam Reforming” außerhalb der Region hergestellt und gekauft wird; vielleicht auch, weil in Bozen nur wenig davon produziert wird, vor allem aber, weil er weniger kostet. Ganz zu schweigen davon, dass die H2-Mobilität im Autobereich zumindest in Europa tot ist. Was soll man dann beispielsweise vom H2-Masterplan des Landes vom Mai 2020 halten, der völlig unrealistische Szenarien vorsah; insbesondere für den ÖPNV, mit sage und schreibe 660 H2-Bussen für 2030.
Dass man mit Wasserstoff seit Langem in einer – sehr teuren – Sackgasse steckt, haben die politischen Entscheidungsträger angesichts der seit vielen Jahren vorliegenden Beweise nicht verstanden oder nicht verstehen wollen. Es überrascht daher nicht, dass es zu diesem Thema nie eine echte öffentliche Debatte gegeben hat, sondern immer nur ein „ipse dixit“ und Spott für diejenigen, die es wagen, Zweifel an der Sinnhaftigkeit der H2-Projekte zu äußern; während in der politischen Debatte die geringe Kenntnis des Themas – mit seltenen Ausnahmen – den „Südtiroler H2-Träumen” zugute kam und kommt.
Michele De Luca, Bozen