Hannes Rabensteiner, Landtagsabgeordneter der Südtiroler Freiheit und dem schönen Villanders entstammend, ist ein konsequenter Mann. In Landtagssitzungen, Pressekonferenzen und Interviews vermutlich auch spricht er beharrlich im nicht reizlosen Dialekt seines Heimatorts, mit kehligem „ch“ und hartem „r“. Während sich also seine deutschsprachigen Kollegen und Kolleginnen bemühen, in mehr oder minder gehobener Standardsprache miteinander oder aneinander vorbei zu kommunizieren, verweist Rabensteiner auf seine Heimatverbundenheit und führt auch schöpfungsgeschichtliche Motive ins Feld: Er rede halt so, wie ihm „dr Schnoubl gwochsen isch“.
Das ist natürlich ehrbar, weil authentisch, und eine Aufwertung des Dialekts; es ist zudem nachvollziehbar, denn wer will schon auf so wunderschöne und in der Debatte gewiss beizeiten hilfreiche Ausdrücke wie „Fockelotti“, „Holbmittog“ oder „Strawanzen“ verzichten? Bis wir deren Entsprechung im Standarddeutschen gefunden haben, ist die Redezeit doch schon abgelaufen.
Gleichzeitig aber schwächelt die „Schnoubl“-Excusatio: Wenn ich mich morgen nackig in den Zug setze mit dem achselzuckenden Hinweis, dass Gott mich eben so geschaffen hat, würde ich ziemlich sicher dieselben Reaktionen ernten wie Rabensteiner mit seinem urtümlichen Zungenschlag: verständnislose Blicke, amüsiertes Befremden, ja sich windende Fremdscham. Und das zu Recht: Ein Zug ist keine Sauna und eine Landtagsdebatte ist kein Plausch am Budel.
Es ist mir ein wenig peinlich, dass ich gerade Sie dran erinnern muss, aber: Es ist halt alles eine Frage der Angemessenheit, des Respekts seinen Mitmenschen gegenüber und, jawohl, der Anpassung an Sitten und Gepflogenheiten – eigentlich doch lauter Herzensangelegenheiten Ihrer Partei, Herr Rabensteiner!
Drum leben Sie Integration doch vor, fügen Sie sich der Tradition der Institution und poltern Sie doch fortan so, wie sie es in der Schule gelernt haben. Einen „Fockelotti“ können Sie bei Bedarf ja jederzeit einfließen lassen.
von Alexandra Kienzl | Kolumnistin, Englisch-Lehrerin und ehemalige ff-Redakteurin