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Olympia 2026: Überstehen ist alles
25. Feb 2026 | ff 09/2026

Überstanden. „Wer spricht von Siegen? Überstehen ist alles.“ Ist von Rilke, und sage jetzt niemand, der Spruch treffe nicht auf uns alle zu. Wäre der adelige de Coubertin sportlicher gewesen, hätte er sich mit seinem dichtenden Zeitgenossen abgesprochen, als er vor 130 Jahren für die Olympischen Spiele den Leitspruch „Dabei sein ist alles“ erfand. Rilkes „Überstehen“ wäre wahrer gewesen, aber wahrscheinlich kam der Dichterspruch genau deshalb nicht infrage. Überstehen wäre zwar sportlicher, und also olympischer, aber „dabei“ schließt halt auch alle uns Adabeis mit ein.
Wir haben es überstanden. Ausnahmsweise meine ich damit nicht den Verkehrsstau nach Antholz. Wer hinfuhr, musste wissen, was er tat. Dass der Stau olympisch sein würde, war dem Ereignis doch geschuldet. Wäre er es nicht gewesen, hieße das, die Pustertaler Straße ist für den Normalgebrauch zu breit und muss rückgebaut werden.
Damit zum Sportlichen von einem, der Olympia hauptsächlich auf Rai Südtirol und in der Dolomiten überstanden hat. Olympia war leider das Hochamt des Patriotismus und Chauvinismus und damit vorsätzliche Verleugnung dessen, was es vorgibt zu sein, nämlich grenzüberschreitende Verschwisterung.
Die Berichte aus den Tatorten, ja Tatorten, sahen und lasen sich weitgehend wie Antworten auf das allseits beworbene Buch „Kann Südtirol Staat?“. Je nach gebotener Tagesform der heimischen Athleten (und Gott sei Dank Athletinnen) stieg und sank der Kurs dieser Nichtfrage. Der angeträumten Sporthoheit verpflichtet, wurden bei Teamwettbewerben jeweils nur die „Unsrigen“ in Bild und Titel gerückt. Aussortiert. Giovanni Franzoni hat mit seinem famosen Vorsprung unserm Alex Vinatzer nicht den Sieg auf dem Silberteller serviert, sondern ihm „Druck gemacht“. Dem Armen! Und erst die Vittozzi: ist natürlich nie eine Wierer. Was für schöne Tiroler Geschichte sich zu ihrem Sappada, Ploden, erzählen hätte lassen! Unterlassen. Dafür, so klein wie halt unvermeidlich, die Geschichte vom Löffel der Mutter unserer armen Passler. Überstanden.

von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff