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Getraut euch!
Müssen wir Schule neu denken? Interview mit Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner in ff 5/26
Extrawurst | 18. Feb 2026 | ff 08/2026

Der Wunsch von Eltern, deren Kinder einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, nach zweisprachigem Unterricht ist in unserer Gesellschaft präsent; von mancher politisch-ideologischen Warte mag die Angelegenheit gedreht und gewendet werden, wie man will. Wie man manchmal aus Stellungnahmen Andersdenkender heraus hört, wird in Teilen unserer Gesellschaft befürchtet, die einheimische deutsche Sprache könnte unter einem zweisprachigen Unterrichtsmodell leiden, würde verdrängt werden. Es wäre angebracht, beide Seiten in ihren Anliegen anzuhören. Das Endergebnis eines Dialogs könnte so aussehen: Neben dem herkömmlichen Schulmodell gäbe es als Angebot auch einen zweisprachigen Klassenzug. Wer die eigenen Kinder auf eine zweisprachige Realität und auf eine Arbeitswelt mit Anspruch auf Zwei- beziehungsweise Mehrsprachigkeit vorbereitet sehen will, soll auch eine daraufhin ausgerichtete Pädagogik als Option vorfinden, wodurch allen alles gegeben und niemandem etwas genommen würde. Die an den Hebeln befindliche Landesregierung beharrt stur auf Paragraphen, die in fernen Jahrzehnten unter anderen Bedingungen beschlossen worden sind. Heute wird Südtirol nicht mehr von Persönlichkeiten regiert, die unter dem Einfluss des Nazi-Faschismus oder der Nazi-Besatzung standen, doch kann die Tatsache, dass heutige Mandatare ein weltmännisch-professionelles, managerähnliches Auftreten an den Tag legen, nicht darüber hinweg täuschen, dass unsere lokalen Machthaber die ideologischen Enkel aus demselben Haus sind, woraus sich die Sturheit hinsichtlich des Wunsches nach zweisprachiger Pädagogik von Eltern für ihre Kinder erklären lässt. So innovativ sich die hiesige Schule in Sachen Unterrichtsformen und digitaler Bildung darzustellen versucht, in wesentlichen Belangen wie im Zusammenhang mit dem Thema Zweisprachigkeit ist man in der Landesregierung wie in den Hierarchien des Bildungs- und Schulsystems halsstarrig wie Maulesel, die man in alten Zeiten für das Transportieren von Lasten verwendete, bis sich die Erfindung des Traktors herumsprach. Getrauen wir uns doch, dem starren, verkrusteten Schulsystem der Sprachentrennung und denen, die es führen, scharfe Kante zu zeigen.
Georg Lezuo, Bozen