Zum Hauptinhalt
Sie wussten es
Titelgeschichte in ff 5/25 über den skandalösen Umgang unserer Bischöfe mit sexuellem Missbrauch
ff media | 19. Feb 2025 | ff 08/2025

Bei den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche liest man vom „Aufarbeiten“, von „Gesprächen“ mit den Tätern oder deren „Versetzung“, manchmal auch von der „Entlassung“ aus bestimmten kirchlichen Aufgaben. Kaum aber wird erwähnt – in der ff05/25 nur im Interview mit Bischof Ivo Muser –, dass es auch verurteilte Straftäter unter den Tätern gibt. Die kurioserweise dennoch eine Heilige Messe lesen können.

Erst nach der Lektüre der Studie ist mir klar, wie es dazu kommen konnte: Der Klerus ist bei Kenntnis von Sexualstraftaten nicht zur Anzeige derselben verpflichtet (Seite 78) und hat somit die meisten Fälle höchst verantwortungslos und unzulänglich selbst geregelt (oder auch gar nicht).

So bleibt das Bild der katholischen Kirche als einer Institution hängen, die über alle anderen erhaben ist. Zum einen gesetzlich verankert, zum anderen, weil sich der Klerus so verhält. Scha(n)de. Sind sie doch, wie Bischof Ivo Muser selbst sagt, auch nur Menschen – die als solche im Falle einer Straftat genau gleich behandelt werden sollten wie alle anderen, und damit rechtskräftig verurteilt und ihrer seelsorglichen Dienste enthoben.

Wenn die katholische Kirche glaubwürdiger werden möchte, dann wäre der erste Schritt, ihre in ihren Köpfen immer noch vorherrschende Unantastbarkeit und Unfehlbarkeit abzuschaffen. Sonst bleiben wir, wie George Orwell in seinem Klassiker „The Animal Farm“ schreibt, bei dem Motto: Wir sind alle gleich. Nur manche sind gleicher.

Alexandra Wolf, Meran