Die italienische Redewendung „far la guardia al bidone“ steht für pflichtbewusst etwas Unnützes tun und kommt aus der Militärsprache: Der brave Soldat schiebt Wache am letzten Benzinfass (bidone). Er wartet auf die Ablöse. Die kommt nicht, denn der Krieg ist aus. Die Wache bleibt auf Posten.
Das wenig heroische Bild geht mir durch den Kopf, wenn ich an den meist zitierten und meist verlachten Satz aus dem Missbrauch-Bericht der Diözese denke. Es ist Bischof Wilhelm Eggers resigniert-fatalistisches „Wos soll i denn tien mit de Mando?“. Ich halte es für die aufschlussreichste Aussage des 624-Seiten-Berichts. Jawohl, Aussage, nicht Frage, und sie verdient eine ernstere Beachtung als jene nur mitleidend belächelnde, mit welcher der „Bischof des Lächelns“, der Wilhelm Egger war, seither überzogen wird.
Es ist Hilflosigkeit, wie sie ehrlicher und bodenständiger nicht ausgedrückt werden kann. Ein bedingungsloses Geständnis. Unverschuldet schuldig. Ein Hilferuf! Nur die Frageform und die Wärme des heimatlichen Dialekts nehmen ihm die protokollarische Härte von Kapitulation.
Das Eingeständnis absoluter Machtlosigkeit. Machtlos, wie wohl jeder Bischof es ist, und wie selbst ein Papst es wäre (auch „er wusste es“ – Titel ff 5/25). Bestens vorstellbar, so ein Geständnis von Franziskus: „Wos soll i denn tien?“ Verloren – halt auf Argentinisch. Es wäre die schönste Abdankungsformel.
Das Wichtigste am Bischofssatz sind aber die letzten drei Wörter, und genau diesen ist bislang die wenigste Beachtung geschenkt worden: „mit de Mando“. Was tun damit? Nein, es sind nicht die gezählten 29 Priestermander vom Missbrauch-Bericht. Es sind „de“ Mander. Allezamm. Es ist die Bankrotterklärung einer Männerkirche. Wer den Hilferuf des Bischofs laut lesend in sich nachhallen lässt, muss doch heraushören: Ein ganz bestimmtes Mann-Sein ist gemeint, wir Männer seiner Kirche. „De Mando“.
Und wenn Bischof Wilhelm Egger ein Feminist war? Sein Satz könnte von Alice Schwarzer sein.
von Florian Kronbichler | Journalist, ehemaliger Chefredakteur der ff