Es war eine freundliche Mail, die Ende des vergangenen Jahres von der Athesia-Führung an ihre Mitarbeiter verschickt wurde. „Martina Rainer“, stand darin zu lesen, „wird voraussichtlich mit Ende März 2026 ihren wohlverdienten Ruhestand antreten.“ Rainer hört nach 38 Jahren Betriebszugehörigkeit – und einem Jahr als Chefredakteurin des Katholischen Sonntagsblatts – auf. Fragt man sie warum, antwortet sie diplomatisch, „weil ich die Möglichkeit dazu habe“. Mehr will sie nicht sagen. Der Grund ihres Ausscheidens dürfte nach ff-Recherchen aber ein anderer sein.
Für das Sonntagsblatt arbeiteten bisher drei Personen, zwei Journalisten und ein Mitarbeiter in der Verwaltung. Als Rainer am 1. Dezember 2024 die Verantwortung für das Sonntagsblatt von ihrem Vorgänger Walther Werth übernahm, blieb die zweite Journalisten-Stelle über Monate aber unbesetzt. Dann wurde die Stelle kurzzeitig mit einer Mitarbeiterin ohne journalistische Vorkenntnisse besetzt, am Ende der Probezeit wurde sie nicht übernommen.
Ende Januar 2026 ging der Verwaltungsmitarbeiter in die Alterspension. Martina Rainer, so heißt es in Athesia-Kreisen, soll die Konzernführung mehrfach auf die personelle Unterbesetzung aufmerksam gemacht haben. Und verabschiedete sich dann auch in die Pension. Georg Ebner, Direktor „Deutschsprachige Medien“ im Unternehmen, spricht von einer Verkettung mehrerer Umstände. Die Personalsituation im Sonntagsblatt sei aber nicht Resultat des Sparkurses, den das Unternehmen fährt. Ebner, dessen Familie die Anteile seines Onkels Toni Ebner vor einem Jahr übernahm („Der Krach im Hause Athesia“, ff 3/25), nennt ihn „spending review“.
Die Stimmung am Weinbergweg, dem Haupthaus der Athesia-Medien mit ihrem Flagschiff Dolomiten, gilt als angespannt. Etliche Journalisten waren in Frühpension geschickt worden, eine Entscheidung, die intern scharf kritisiert wurde. Im vergangenen Sommer ärgerte sich die Redaktion dann über zwei Ankündigungen. Die eine: Die Journalisten wurden aufgefordert, sich Außentermine vorab genehmigen zu lassen. Die zweite: Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, wurde gestrichen. Während die erste Bestimmung nach heftigem Protest wieder fallen gelassen wurde, ist die zweite weiterhin aufrecht. Sehr zum Ärger der Belegschaft. Aber auf den Fluren der Redaktion gibt es noch einen anderen Aufreger, der große Sorgen bereitet: der strikte Sparkurs.
Es war der ehemalige Chefredakteur von Rai Südtirol, Wolfgang Mayr, der bei einer Veranstaltung vergangene Woche in Brixen den Dolomiten-Chefredakteur Elmar Pichler Rolle auf ein Gerücht ansprach, das sich seit einem Jahr hält. Soll das Tagblatt der Südtiroler eingestellt werden? Pichler Rolle verneinte. Georg Ebner achte aber darauf, dass die Zahlen stimmen, und man befände sich in einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch. Auf diesen müsse man reagieren, ohne Einschnitte werde das nicht gehen.
Als ff bei Ebner die Frage während eines Telefongesprächs wiederholt, muss der 36-Jährige kurz schnaufen. Der Sohn von Michl Ebner kann nicht verstehen, wie es zu solchen Gerüchten kommt, auch das angespannte Betriebsklima kann er sich nicht erklären. Er sagt: „Vielleicht weil ich sehr direkt bin“, aber er sagt auch „ich bin stolz auf unsere Leistungsträger“.
Die Mediensparte habe nicht an Bedeutung fürs Unternehmen verloren, aber man müsse Antworten auf einen sich stark verändernden Markt finden. Ebners Antwort: Es werde gespart, Details will er dazu keine nennen. Aber es werde auch investiert: in Technik, Software, Vertrieb und neue digitale Produkte. Stellenabbau sei keiner vorgesehen. Auch nicht beim Sonntagsblatt.
Das wird künftig vom Dolomiten-Journalisten Martin Lercher geleitet, ein zweiter Journalist soll ihn unterstützen, die Verwaltung erfolgt von der Zentrale aus.
Die Athesia, verspricht Direktor Ebner, halte auch künftig an ihren kleineren Traditionsprodukten wie dem Sonntagsblatt, dem Schlern oder der Zeitschrift Die Südtiroler Frau fest. Die Zahlen würden stimmen.
Am Weinbergweg rumort es
Angespanntes Betriebsklima, viele Gerüchte und eine Chefredakteurin, die nach einem Jahr geht. Was ist los in der Athesia?
